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Weißer Tod am Chabanec


Weißer Tod am Chabanec


1. Auflage

von: Dietmar Beetz

8,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: EPUB
Veröffentl.: 26.11.2014
ISBN/EAN: 9783956551857
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 420

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Mitten im Wald trifft Johann Schlichter auf die Frau, auf Helena. Sie müht sich ab, einen Toten fortzutragen. Eigentlich müsste Schlichter vorbeischleichen. Er ist Kurier, und sein Auftrag eilt. Aber er bringt es nicht fertig, denn er sieht, die Frau ist am Ende ihrer Kräfte. Plötzlich sind Männer da. Schlichter weiß, es ist der Schwarze mit seiner Bande. Sie sind Partisanen, Freunde eigentlich. Doch sie sind auch Anarchisten, undiszipliniert, schwer berechenbar. Was werden sie tun, wenn sie entdecken, dass er Deutscher ist? Was wird aus dem Auftrag? Kann Helena helfen? Sie kennt die Männer, und sie scheint Freunde unter ihnen zu haben. Der Autor erzählt in diesem Buch von den Erlebnissen und Konflikten zweier Deutscher, die am slowakischen Freiheitskampf im 2. Weltkrieg teilnehmen.

LESEPROBE:
Das Rutschen und Stürzen, das Zerren und Stoßen erschien Martin endlos, wie Teil eines Albtraums, und so benommen er auch war, erwartete er doch während der gesamten Zeit, im nächsten Moment irgendwo aufzuschlagen und zerschmettert liegen zu bleiben.
Und gewahrte dann lediglich, dass er versank in weichem, tiefem Schnee, verspürte einen letzten Ruck und erschlaffte, lag reglos, lag nach dem Sturm, nach stundenlangem Heulen und Fauchen plötzlich in atemberaubender Stille.
Die Lider, geschwollen und verklebt, ließen sich nicht öffnen, und mit dem Mund und der Nase war offenbar gleichfalls etwas nicht ganz in Ordnung, doch die Arme und Beine, alle Muskeln des wunden, geschundenen Körpers zuckten und vibrierten und verlangten wie nie zuvor nach Ruhe.
Schlafen, ging es Martin durch den Kopf, so liegen bleiben, sich nicht bewegen, nie wieder auch nur einen Finger rühren ...
Er atmete ein, mühsam, und seufzte. Und rang beim nächsten Atemzug nach Luft, und etwas in seinem übermüdeten, dämmrigen Hirn gab Alarm.
Du erstickst; wenn du so liegen bleibst, erstickst du oder erfrierst! Da bäumte sich sein Lebenswille ein weiteres Mal auf, und er begann, die Arme, die zentnerschweren Arme zu bewegen, und verfing sich in der Leine und schlug, nun von Grauen erfasst, um sich.
Erkannte die Fessel erst, als Mund und Nase schon frei waren, löste sie und erblickte dann neben sich in einer Vertiefung, die seinem Schneetrichter glich, ein Stück olivgrüne Uniform und das Ende eines Wollschals.
„Kati!“
Sie hörte nicht, blieb reglos, lag fast in Griffnähe und war doch nur unter Einsatz der letzten Kraftreserven zu erreichen.
Mitten im Wald trifft Johann Schlichter auf die Frau, auf Helena. Sie müht sich ab, einen Toten fortzutragen. Eigentlich müsste Schlichter vorbeischleichen. Er ist Kurier, und sein Auftrag eilt. Aber er bringt es nicht fertig, denn er sieht, die Frau ist am Ende ihrer Kräfte. Plötzlich sind Männer da. Schlichter weiß, es ist der Schwarze mit ...
Geb. 1939 in Neustadt am Rennsteig. Oberschulbesuch in IImenau; Medizinstudium in Leipzig und Erfurt. 1965/66 Schiffsarzt; Ausbildung zum Hautarzt und Spezialisierung für Betriebsmedizin;
1973 als Arzt in Guinea-Bissau. Wohnt in Erfurt und arbeitet bis zur Stunde in seinem Beruf.
Wissenschaftliche Publikationen und seit 1971 an die 60 Buchtitel in hoher Gesamtauflage.
Einige Preise literarischer Art. Einspänner seit dem Austritt aus diversen Vereinen.
Das Rutschen und Stürzen, das Zerren und Stoßen erschien Martin endlos, wie Teil eines Albtraums, und so benommen er auch war, erwartete er doch während der gesamten Zeit, im nächsten Moment irgendwo aufzuschlagen und zerschmettert liegen zu bleiben.
Und gewahrte dann lediglich, dass er versank in weichem, tiefem Schnee, verspürte einen letzten Ruck und erschlaffte, lag reglos, lag nach dem Sturm, nach stundenlangem Heulen und Fauchen plötzlich in atemberaubender Stille.
Die Lider, geschwollen und verklebt, ließen sich nicht öffnen, und mit dem Mund und der Nase war offenbar gleichfalls etwas nicht ganz in Ordnung, doch die Arme und Beine, alle Muskeln des wunden, geschundenen Körpers zuckten und vibrierten und verlangten wie nie zuvor nach Ruhe.
Schlafen, ging es Martin durch den Kopf, so liegen bleiben, sich nicht bewegen, nie wieder auch nur einen Finger rühren ...
Er atmete ein, mühsam, und seufzte. Und rang beim nächsten Atemzug nach Luft, und etwas in seinem übermüdeten, dämmrigen Hirn gab Alarm.
Du erstickst; wenn du so liegen bleibst, erstickst du oder erfrierst! Da bäumte sich sein Lebenswille ein weiteres Mal auf, und er begann, die Arme, die zentnerschweren Arme zu bewegen, und verfing sich in der Leine und schlug, nun von Grauen erfasst, um sich.
Erkannte die Fessel erst, als Mund und Nase schon frei waren, löste sie und erblickte dann neben sich in einer Vertiefung, die seinem Schneetrichter glich, ein Stück olivgrüne Uniform und das Ende eines Wollschals.
„Kati!“
Sie hörte nicht, blieb reglos, lag fast in Griffnähe und war doch nur unter Einsatz der letzten Kraftreserven zu erreichen.
Aber sie atmete, sie lebte, und von dumpfer Freude erfüllt, richtete Martin sich auf und schaute über den brusthohen Rand der Schneewehe hinweg.
Inzwischen war die Dämmerung nahezu vollkommen geworden. Trotzdem ließ sich erkennen, dass vor ihnen ein Hochtal begann, abschüssig zwar, doch bei Weitem nicht so steil wie der Hang, der hinter ihnen lag.
Der Südhang des Chabanec! - Jetzt ahnte Schweiger, welchen Berg sie bezwungen hatten, von welchem Sattel sie herabgeschlittert waren.
Und dass sie den Auftrag erfüllt hatten und dennoch weiterhin in Gefahr schwebten, in der Gefahr, hier liegen zu bleiben und zu erfrieren - auch das war ihm klar, und angesichts dieser Bedrohung und der Strapazen, die ihn erwarteten, verzagte er fast.
Stand da und spürte, dass seine Lider herabsanken, vernahm fernes Jaulen, den Sturm, der hoch oben am Gipfel tobte, der hier unten lediglich als gedämpftes Geräusch wahrnehmbar war, als verschwimmendes, einschläferndes Raunen, und glaubte sich von einer warmen Woge erfasst, von Wärme durchströmt und sah, als ginge es ihn nichts mehr an, als habe es ihn nie betroffen, einen endlosen Zug, Gestalten, die auftauchten aus Nebel und wieder verschwanden in Gestöber, und einen struppigen, mageren Hund, der langsam auf die Seite sank ...
Begriff und riss die Augen auf.
Vor ihm im Tal schien etwas Dunkles zu schweben - zwischen dem fahlen, wolkenverhangenen Himmel und grauweißem Dunst über dem Schnee. Vielleicht ein Stück Wald, vielleicht ein Ausläufer, eine Zunge aus verkrüppelten oder stämmigen Bäumen, die sich so weit oben verwurzelt hatten.
Hoffentlich Wald! dachte Schweiger, und er sagte sich: Dorthin! Dort ist Holz, Wärme und Schutz, dort kannst du endlich ausruhn.
An diese Aussicht klammerte er sich von nun an. Verbissen begann er, Kati und sich aus dem trichterförmigen Loch hinauszuschieben, und als er die Schneewehe hinter sich hatte, lud er sich den Körper erneut auf die Schulter.
Er versank bei jedem Schritt bis zum Knie und tiefer und gab doch nicht auf. Verschnaufte sich nur wieder und wieder und hielt stets, sobald er die Last abgelegt hatte, nach dem Wald, den Bäumen Ausschau, und einmal glaubte er dabei, inmitten der Funken, die ihm vor den Augen flimmerten, andere Helligkeit wahrzunehmen, einen zuckenden Schein zwischen den Stämmen.
Ein Feuer? Genossen an einem Feuer - zu schön, um wahr zu sein.
Keuchend stapfte er weiter, schleppte Kati und sich auf das Flackern zu, und als er abermals aufschaute, meinte er zu fantasieren, von einem Wunschtraum genarrt zu werden.
Bis die Gestalt heran war und der Mann, ein Partisan, zu sprechen begann - Worte in ukrainisch gefärbtem Slowakisch, Worte, deren Sinn Martin anfangs entging, die er lediglich mit einem Krächzen erwiderte.
Der Ukrainer schien nichts anderes erwartet zu haben; denn er bückte sich wortlos. Und hielt inne, nun doch überrascht.

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