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Souvenir vom Atair


Souvenir vom Atair

Wissenschaftlich-fantastischer Roman
1. Auflage

von: Alexander Kröger

7,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 19.09.2016
ISBN/EAN: 9783956556876
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 165

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Wally 327 Esch entdeckt auf der Venus als einzige Überlebende einer Rettungsexpedition das geborstene Raumschiff, und sie findet Dirk, ihren Lebensgefährten, aus dessen toter Hand sie ein Souvenir entnimmt, das, so glaubt sie, für sie bestimmt ist. 18 Jahre hütet sie das Geheimnis dieses Geschenks. Dann berichtet sie dem Sohn Mark von der Operation in einem verlassenen Urwaldhospital und von Bea, einem Mädchen mit Tigeraugen und vier Fingern an jeder Hand, ... Sie bürdet damit dem jungen Mann eine Verantwortung auf, die er allein nicht tragen kann.
Alexander Kröger richtet in dem Buch von 1985 in einer mitreißenden Handlung - in Sicht auf heutige Realitäten und Tendenzen wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung - das Augenmerk des Lesers auf die Verantwortung der Menschen für ihre Zukunft.
Dr.-Ing. Helmut Routschek, geboren 1934 in Zarch (Tschechoslowakei), gestorben am 7. April 2016 in Heidenau, benutzte für seine literarischen Werke das Pseudonym „Alexander Kröger“. In Mühlhausen in Thüringen machte er sein Abitur und studierte an der Bergakademie Freiberg von 1954 bis 1959 Markscheidewesen und Bergschadenkunde. Als Markscheider arbeitete er im Tagebau Spreetal des VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe. Nach einem Zusatzstudium zum Ingenieur für Datenverarbeitung wurde er Experte für Automatisierung und Untergrundgasspeicherung und war mit Forschungs- und Produktionsaufgaben an der Universität, in der Energiewirtschaft und im Umweltschutz leitend tätig. Nach 1981 arbeitete er in der Gebäude- und Wohnungswirtschaft und nach 1990 in der Bauabteilung für Bundesbauten der Oberfinanzdirektion Brandenburg.
Seit 1969 entstanden 33 Romane (einschl. überarbeiteter Neuauflagen) und ein Kurzgeschichtenband, die in sechs Sprachen und in insgesamt 1,65 Millionen Exemplaren erschienen. Nach 1990 erschienen in dem Verlag KRÖGER-Vertrieb, den er gemeinsam mit seiner Frau Susanne gründete, weitere 9 Romane, 5 überarbeitete Neuauflagen und ein Geschichtenband in einer Gesamtauflage von 40 000 Exemplaren.
Bibliografie (Auszug)
Sieben fielen vom Himmel, 1969
Antarktis 2020, 1973
Expedition Mikro, 1976
Die Kristallwelt der Robina Crux, 1977 (überarbeitete Neufassung unter dem Titel Robina Crux, 2004)
Die Marsfrau, 1980
Das Kosmodrom im Krater Bond, 1981
Energie für Centaur, 1983
Der Geist des Nasreddin Effendi, 1984 (überarbeitete Neufassung unter dem Titel Der Geist des Nasreddin, 2001)
Souvenir vom Atair, 1985 (überarbeitete Neufassung zusammen mit Andere unter dem Titel Fundsache Venus, 1998)
Die Engel in den grünen Kugeln, 1986 (überarbeitete Neufassung unter dem Titel Falsche Brüder, 2000)
Der Untergang der Telesalt, 1989 (überarbeitete Neufassung unter dem Titel Die Telesaltmission, 2002)
Andere, 1990 (überarbeitete Neufassung zusammen mit Souvenir vom Atair unter dem Titel Fundsache Venus, 1998)
Vermißt am Rio Tefé, 1995
Das Sudelfaß - eine gewöhnliche Stasiakte, 1996
Die Mücke Julia, 1996
Mimikry, 1996
Das zweite Leben, 1998
Saat des Himmels, 2000
Der erste Versuch, 2001
Chimären, 2002
Begegnung im Schatten, 2003
Robinas Stunde null, 2004
Nimmerwiederkehr, 2009
Ego-Episoden des Alexander Kröger. Wahres, heiter und besinnlich, 2012
Mitsu wirkte dieser allgemeinen Missstimmung, so gut sie konnte, entgegen. Ausguck gab Auftrieb, weil verbunden mit Zuversicht, und so ließ sie beim geringsten landschaftlichen Anlass halten. Natürlich war dies nicht reine Beschäftigungstherapie. Immerhin näherten wir uns dem berechneten Punkt, der Absturzstelle. Ja — ich dachte jetzt auch >Absturzstelle< und >zerschelltes Schiff<. Wie sollte ein Flugkörper auf diesem Teil der Venusoberfläche landen, selbst wenn er noch zu einem Landeanflug fähig gewesen wäre ... Auch die Hoffnung, vielleicht doch noch einen der Besatzung lebend zu treffen, begrub sich in mir mehr und mehr. Ein Mensch, hier wochenlang mutterseelenallein, müsste wahnsinnig werden, glaubte ich.
Am sechsten Tag gerieten wir in eine Landschaft, die mit unserem Modell nicht im geringsten übereinstimmte. Eine Art flachen Kraters tat sich vor uns auf, umschlossen von abgeböschten Felswänden. Die Kegelfläche, die auf einen See zulief, lag geröllig und übersichtlich vor uns.
Wir kamen aus einer Klamm unvermittelt in diese Region, hielten überrascht, kletterten in die Anzüge und aus dem Fahrzeug, sahen, staunten.
Dann drehte sich der Kugelkopf Mitsus auf mich. >Wie alt sind die Karten, aus denen wir das Modell gemacht haben<, fragte sie nicht ohne Schärfe.
>Fünfzig, die ältesten.<
>Was fünfzig !<
>Jahre ...<
Mitsu winkte mit der Hand ab, was so viel wie >drum< heißen mochte oder auch >lasst euch einpacken<.
Mir ging das in diesem Augenblick nicht nahe. Linker Hand, aus dem überdunsteten See, zog sich eine blaugrüne Zunge ein Viertel des flachen Hanges empor. Das verwunderte mich. Wie wohl das den Augen tat, die seit Tagen roten Fels, roten Fels, hie und da eine Quarz- oder Metallader, und wieder roten Fels aufnahmen.
Nun war uns natürlich bekannt, in den gemäßigten Zonen, im geologisch ruhigen Hochland und an anderen geschützten Stellen der Venus kamen durchaus niedrige Flora und sogar Fauna vor. Du weißt, Mark, es war eine Sensation, als ein Landeapparat in einer solchen Zone bei sechzig Grad Außentemperatur das Foto einer Art Urlibelle sendete. Aber selbst in den Niederungen, wo die Temperaturen sehr viel höher sind, gedeiht pflanzliches Leben. Daran hätte nach den Ergebnissen der ersten Sonden, die man zur Venus gesandt hatte, niemand geglaubt.
Ohne einen Befehl, ohne ein Wort, Mitsu voran, gingen wir auf das Grün zu.
Es war weiter entfernt, als wir dachten, und höher, als wir vermutet hatten.
Im Grunde zarte gefiederte Gewächse, wie Spargel oder Schachtelhalme vielleicht, standen zu einem undurchdringlichen Dickicht, hüft- bis brusthoch. Und bevor wir es erreichten, übertrampelten wir zahllose fingerdicke Keime und Sprosse, also wucherte der Busch noch aus. Immerhin, die Außenthermometer zeigten siebenundfünfzig Grad Celsius.
Wir gingen am Rande der Buschzone entlang zum See. Wie eine Glocke stand Dunst über der Flüssigkeit, die wir für Wasser hielten, wölbte sich in vier bis fünf Meter Höhe. Darunterhin konnte man wie in einer Höhle bis zum zwei, drei Kilometer entfernten anderen Ufer blicken und — bis auf den grünwallenden Grund. Man hatte unbedingt den Eindruck, als wären die Gewächse draußen auf dem Hang diesem Grund entstiegen, denn das Dickicht setzte sich ununterbrochen vom Land bis auf den Boden des Sees fort.
Wie es dann geschah, kann ich nur vermuten. Es ging so rasch und alles beinahe gleichzeitig.
Ich weiß noch, dass sich Luise am Rand des Sees im Winkel zwischen dem steinigen Uferstreifen und der grünen Hecke auf Knien niederließ, eine Hand eintauchte und rief: >Ich ebne diesen verdammten Berg ein, wenn das kein Wasser ...< Es folgte ein gellender, lang gezogener Schrei.
Nur aus dem Augenwinkel heraus hatte ich den dunklen Körper huschen sehen, der aus Richtung See, das Gebüsch teilend, blitzschnell hervorschoss, sich auf Luise warf, sie offenbar packte und mit ihr in das Wasser tauchte wie ein Geschoss, ohne viel Geräusch und Wallung.
Dann schrie Mitsu: >Nein, Jonny!<
Es planschte laut, Wellen leckten an unseren Füßen. Jonny tauchte mit kräftigen Schwimmstößen gegen das Luftpolster des Anzugs Luise hinterher.
Von diesem Moment an waren wir zu viert und blieben es.
Wir standen und starrten gelähmt in die Tiefe.
Die Wellen verzerrten das Bild, später quollen rote Wolken auf, die Sicht nehmend. Das Blut der Gefährten.
Aber bevor das eintrat, sahen wir entsetzt, ohnmächtig, nicht fähig, ein Glied zu rühren, wie dunkle, ovale Körper, ein halbes Dutzend vielleicht, mit paarigen Ruderfüßen pfeilschnell aus dem Unterwasserdickicht drangen und die Körper der Gefährten zerstückelnd in den wallenden Dschungel zerrten — räuberische, übermetergroße Wasserkäfer.
Wir standen noch, als das Wasser vor unseren Füßen rot war, standen, bis wir wie aus einem Mund entsetzt aufschrien. Ein schwarzes Etwas tauchte unmittelbar vor uns auf, schnellte mit einer offenen sägezahnigen Zange auf uns zu. Wir rannten um unser Leben, strauchelten, stürzten.
Neben mir lief Josef, hinter mir keuchend Sam, zwei, drei Meter vor uns Mitsu.
Plötzlich wurde sie langsamer, riss an ihrem Gürtel, dann warf sie sich herum, stürzte lang hin, drehte sich im Fallen auf den Rücken, hielt krampfhaft den Gesteinsstrahler umklammert und schoss in Dauerfeuer den Hang hinab. Wir überliefen sie, versuchten dann, es ihr gleich zu tun. Josef war der nächste, dann ich, dann Sam. Wir schossen blindwütig, bar jeden Gedankens, schossen in einen Brodem hinein, eine Wolke aus Feuer, Rauch und Dampf, schossen, bis die Strahlen sichtbar und dünn wurden, die Akkumulatoren keine Kraft mehr gaben.
Unten erstarb das Zischen, hob sich die Wolke vom Boden, gab den Blick frei auf schwarze Schneisen im Grün, auf wirre Haufen des zarten Gewächses, auf weiter nichts ...
Wir saßen und starrten, die erloschenen Strahler gesenkt, umkrampft.
Dann erhob sich Mitsu, sah durch mich hindurch und ging steif den Hang hinauf. Wir folgten, schritten, stolperten mit gesenkten Köpfen.
Wir schleusten uns ein. Mitsu klappte den Helm nach hinten, warf sich in einen Sessel, Sam lehnte sich an die Dusche, ich rutschte mit dem Rücken zur Wand auf den Boden. Josef stand wie ein Stock mitten im Raum.
Dann, nach einer langen Zeit, sagte Mitsu tonlos, ohne jemanden anzuschauen: >Wir kehren um ...< Es klang nicht wie ein Befehl, noch nicht einmal wie eine Entscheidung. Sie sagte es unsäglich müde ...
Niemand antwortete.
In mein Bewusstsein drang der Satz langsam. Wir kehren um. Wir kehren um? Nein, wir kehren nicht um! In mir bäumte es sich. Wir kehren doch nicht um! >Nein!< rief ich und stemmte mich rücklings die Wand hoch. >Jetzt erst recht nicht!< Und dann überfiel mich Verzweiflung. Ich legte die Hände vor das Gesicht, begann zu schluchzen und rief dazwischen stoßweise: >Soll denn alles umsonst gewesen sein?<
Sie redeten behutsam, tröstend auf mich ein, aber es wurde deutlich, der Drang nach vorn war endgültig gebrochen. Sam ließ durchblicken, der Tod der beiden Gefährten wäre für einen Haufen Schrott doch wohl teuer genug. Und Josef meinte, er könne nicht mehr lange den nervlichen Verfall aller Beteiligten verantworten. Mitsu hörte sich das alles an, hielt sich jedoch zurück.
Trotz meiner Niedergeschlagenheit vernahm ich aus ihren Argumenten, sie glaubten nicht an einen Erfolg unseres Unternehmens, wahrscheinlich hatten sie nie daran geglaubt. Ich fand es unfair, vor allem den beiden Verunglückten gegenüber. Da hätte man die Aktion schon früher abbrechen können, müssen, und diese Opfer vermeiden.
In mir regte sich Trotz, ein wahnwitziger, selbstzerstörerischer Trotz. >Wenn ihr umkehren wollt — bitte. Dann gehe ich allein.<
Von diesem Zeitpunkt an schwiegen die beiden Männer. Sie warteten wie ich, dass Mitsu entschied. Sie tat in dieser Situation das einzig Richtige. >Wir bleiben hier, machen ihnen ein Grab ... Morgen werden wir weitersehen.< Und sie klappte den Helm über den Kopf, ging in Richtung Schleuse. Ich war Mitsu in diesem Augenblick unendlich dankbar und folgte ihr sofort, während Sam und Josef zögerten, sich dann jedoch anschlossen.

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