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Impressum

Johannes Helm

Gegenwelten

Mit Beiträgen von Ralph Giordano, Helga Schütz, Jürgen Borchert, Ulrich Schacht und Helga Schubert

ISBN 978-3-86394-931-0 (E-Book)

 

Die Druckausgabe erschien 2001 bei Stock & Stein Verlags-GmbH, Schwerin..

 

Bilder: Johannes Helm

Gestaltung des Titelbildes: Ernst Franta unter Verwendung des Bildes "Katen im Winter", 1994, Öl/Hartfaser 60 cm x 77,5 cm

 

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Helga Schubert: Einleitung

Dies ist ein Buch voller Gegensätze: Der jetzt 86-jährige frühere Uniprofessor Johannes Helm legt hier keine Abhandlung über sein früheres Fach, die Psychologie, vor, sondern nach „Malgründen", „Ellis Himmel" und „Seh ich Raben, ruf ich, Brüder" wiederum eine Sammlung seiner Bilder mit den unendlichen mecklenburgischen Himmeln. Manchmal ist ein winziger Mensch auf dem Bild, aber auch dieser Einsame scheint in sich zu ruhen, etwas Unsichtbares ist bei ihm, vielleicht wir als Betrachter?

Anders als bei den vorigen Büchern stammen die Texte diesmal nicht vom Maler selbst, sondern er hat andere Schriftsteller um Texte zu seinen Bildern gebeten. So vereinigen sich ganz unterschiedliche Eindrücke und Thesen: Der fast gleichaltrige Ralph Giordano findet Bilder seiner Kindheit; Helga Schütz denkt die Personage der Bilder weiter, die ihren Alltag poetisch verändert; Jürgen Borchert versenkt sich ganz in die Märchenhaftigkeit eines einzigen Bildes und macht ein Rätsel daraus; Ulrich Schacht entdeckt die Unabhängigkeit dieser Kunst von den wechselnden Gesellschaftsordnungen; Helga Schubert spiegelt die Atmosphäre der Bilder und die Atmosphäre, in der sie entstehen, denn sie teilt seit Jahrzehnten sein Leben.

Johannes Helm: BILD UND GEGENBILD, EIN VORWORT

Immer wieder haben mich die Betrachter meiner Bilder fasziniert, ja sogar beunruhigt; was nehmen sie wirklich wahr, wenn sie ihre Urteile abgeben, wenn sie ihre Eindrücke beschreiben, wenn sie berührt oder gelangweilt sind?

Woher wissen wir eigentlich, fragte ich mich als Kind, dass für uns alle der klare Himmel blau ist; woher weiß ich, dass er für dich auch Blau ist, nur weil ich ihn so sehe? Kann es nicht sein, dass du immer dann Gelb siehst, wenn ich Blau sehe und umgekehrt? Aber weil wir dem Himmel den gleichen Namen geben, merken wir gar nicht unsere unterschiedlichen Wahrnehmungen: Du sagst eben Blau zu Gelb, und so können wir nie herausbekommen, ob wir den Himmel wirklich gleich gefärbt sehen.

Heute weiß ich, dass das Sehen von Farben bei gesunden Menschen wegen der gleichen biologisch-genetischen Ausstattung zumindest sehr ähnlich ausfällt. Da bin ich klüger geworden. Aber dieselbe Frage taucht hartnäckig wieder auf, wenn es sich nicht um eine so einfache sinnliche Sache wie die Farben auf einem Bild handelt, sondern um den persönlichen Eindruck, den ein Bild auf uns macht. Hier erlebt der eine wirklich Blau, wenn der andere Rot sieht, und beide reden von Grün. Mag sein, dass wir alle nicht genügend Wörter zur Verfügung haben, um unsere gefühlsmäßigen Erlebnisse und Erfahrungen genauer beschreiben zu können.

Manche stehen vor meinem Friedhofsbild. Sie seien erschrocken, fast geängstigt, meinen sie. Darin scheinen sie übereinzustimmen. Doch wie unterschiedlich kann das gemeint sein. Der eine glaubt, ein Symbol eigener Todesnähe in der offenen Grube zu erleben, worin ihn der auf dem Balken sitzende Rabe noch bestärkt; der andere spricht von der tiefen Trauer eines soeben Witwer gewordenen Mannes, und ein dritter ist von dem Himmel beeindruckt, der uns alle einmal aufnehmen werde, wenn wir an den Engeln vorbei aus der Grube zu ihm auffahren.

Ist in diesen Bezeichnungen „erschrocken, fast geängstigt" nicht vieles enthalten, was wir in unserer subjektiven und ganz persönlichen Lebenserfahrung damit verbunden haben? Das ist hier anders, als bei den Farben. Hier geht keine so eindeutige Linie vom Bild bis zum Eindruck von diesem Bild. Was wir in unserer Entwicklung geworden sind, was wir selbst dazu beigetragen haben, also unser ganzes individuelles Lebensgedächtnis, wird hier beim Betrachten lebendig und schafft so unser Bilderlebnis, das wir im Grunde mit niemandem teilen können.

Es ist wohl so: Je genauer wir über ein Bild reden, umso weniger stimmen wir mit anderen überein. Denn wenn wir ein Bild anschauen, machen wir es zu einem Stück von uns selbst. Deshalb schreiben alle, die sich in diesem Buch über meine Bilder äußern, immer auch über sich selbst.

So werden meine Bilder von ihnen zum zweiten Mal geschaffen. Und dies zu ganz einmaligen und persönlichen Gegenwelten.

FRIEDHOF

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1995 Öl/Hartfaser 54,5 cm x 66,5 cm

LATERNENFEST

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1981 Öl/Hartfaser 40 cm x 51 cm

SELBSTPORTRÄT

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1996 Öl/Hartfaser 69,5 cm x 84 cm

FRIEDHOF MIT NONNE

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1997 Öl/Hartfaser 69,5 cm x 84 cm

WINTERWEG MIT ROTEM SCHAL

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1997 Öl/Hartfaser 60 cm x 77,4 cm

MÄDCHEN VOR HAUS

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1982 Öl/Hartfaser 30,5 cm x 40,5 cm

ANGLER IM KAHN

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1982 Öl/Hartfaser 28 cm x 31,5 cm

GROSSER HIMMEL

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1987 Öl/Hartfaser 49 cm x 65,3 cm

UNSER HAUS BRENNT

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1987 Öl/Hartfaser 45 cm x 60 cm

Ralph Giordano: ES KOMMT MIR DARAUF AN