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Jan Flieger

Der Kommissar in der Regentonne. Ein Fall für die Superspürnasen und andere Detektivgeschichten

ISBN 978-3-86394-637-1 (E-Book)

 

Die Druckausgabe erschien 1999 im Arena Verlag GmbH, Würzburg.

Gestaltung des Titelbildes: Ernst Franta
 

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Der Kommissar in der Regentonne

Tobias, Gökhan, Sophie und Nadine kommen aus der Schule. Sie schlendern langsam durch die Kleingartenanlage, vorbei am Vogelhaus von Opa Lungwitz. Eigentlich ist ja Opa Lungwitz gar kein Opa, sondern ein Mann im Vorruhestand. Aber die Kinder nennen ihn Opa, weil er so nett und gemütlich ist. Und er winkt ihnen immer zu, wenn er in seinem Garten oder im Vogelhaus arbeitet. Opa Lungwitz hat es selbst gebaut, aus Glas und Maschendraht. Es ist ein wunderschönes Vogelhaus. Und voller bunter Vögel.

»Ach du dickes Ei«, staunt Tobias, denn vor dem Gartentor von Opa Lungwitz steht ein Karton. Und eine krächzende Stimme ist daraus zu hören: »Mahlzeit!«

Gökhan wirft einen forschenden Blick auf den Karton.

»Klingt wie Leo«, stellt er fest.

»Leo?«, fragt Sophie ungläubig.

Leo ist nämlich ein Papagei, ein Gelbbrust-Ara.

Diebe haben ihn zusammen mit zwei anderen Papageien gestohlen. Vor vier Monaten.

»Renate, mach die Glotze an«, krächzt es aus dem Karton.

Vorsichtig hebt Tobias den Deckel.

»Es ist tatsächlich Leo«, sagt er.

»Pass auf, er hackt nach deiner Hand«, warnt Gökhan.

»Wer weiß, was er erlebt hat«, meint Tobias gelassen.

»Renate, noch ’n Bier«, verlangt der Papagei.

Die Kinder sehen sich an und lachen.

»Das alles hat er noch nie gesagt«, meint Nadine kopfschüttelnd.

»Guckt mal, da liegt ein Zettel im Karton«, ruft Sophie plötzlich.

Vorsichtig greift sie in die Pappkiste. Aber Leos Schnabel trifft sie hart.

»Aua, Leo«, schimpft Sophie zornig. Doch sie hat den Zettel schon in der Hand. Verwundert beginnt sie zu lesen: »Wir geben ihn zurück. Er ist eine Nervensäge.« Tobias legt die Stirn in Falten. »Die müssen auch die anderen Papageien haben.«

Gökhan nickt. »Schon möglich, aber wie willst du herauskriegen, wo die Papageienräuber wohnen?«

»Ein Fall für unsere Spürnase«, sagt Nadine und blickt Tobias erwartungsvoll an. Tobias will nämlich zur Kriminalpolizei. Später. Jetzt ist er erst einmal Privatdetektiv. Und einige Fälle hat er schon gelöst. Er hat auch den Mann erwischt, der heimlich mit dem Luftgewehr nach Katzen geschossen hat.

»Mmm«, macht Tobias. »Die kriegen wir.« Die anderen blicken ihn zweifelnd an. »Und wie?«, rufen sie fast wie aus einem Mund.

Tobias denkt noch immer nach. Detektive lösen viele Fälle nur dadurch, dass sie nachdenken. Er weiß das aus Filmen.

»Ich hab’s«, meint er.

»Du spinnst ja«, sagt Gökhan ungläubig.

Aber Tobias macht ein überlegenes Gesicht. »Wir brauchen Leo nur zuzuhören. Dass er bei einer Renate war, wissen wir schon. Vielleicht verrät er auch ihren Familiennamen.«

»Total genial«, meint Gökhan bewundernd. »Aber erst mal müssen wir Leo zu Opa Lungwitz bringen.«

»Opa Lungwitz«, rufen sie durcheinander. Der kommt aus seiner Laube geschlurft. Nadine hebt triumphierend den Karton hoch.

»Leo ist wieder da!«

Opa Lungwitz strahlt plötzlich über das ganze Gesicht. So schnell er kann, kommt er angelaufen. »Mein Leo, mein lieber Leo«, ruft er immer wieder aus und hebt den Vogel auf seine rechte Schulter. »Stinklangweiliges Programm«, schimpft Leo ihm ins Ohr.

Tobias kombiniert: »Er muss bei Typen gewesen sein, die viel vor der Glotze saßen.«

In der Laube gibt Opa Lungwitz eine Runde Cola aus. Leo flattert durch den Raum, um sich dann auf der Lampe niederzulassen.

»Helmholz, alter Esel«, krächzt er vergnügt von oben. Und er schaukelt mit der Lampe.

Tobias steht plötzlich wie erstarrt. »Das ist der Name!«, platzt er los. »Helmholz, Renate Helmholz. Diese Renate und ihr Mann müssen die Papageien geklaut haben.«