Details

Mo(h)ritaten


Mo(h)ritaten

Lieder eines Galgenvogels und andere schwarze Gesänge
1. Auflage

von: Steffen Mohr

5,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 15.05.2015
ISBN/EAN: 9783956553851
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 146

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Der Töterich wütet auf Wunsch, natürlich im Knöterich. Ein Mordanschlag trifft nicht den ungetreuen Musiker, sondern dessen Liebchen. Die Radeltour hat ein erotisches finish. Und gegen das Banküberfallunwesen hilft nur eins: Schwere Jungen muss man küssen ...
Als Kabarettist und Gitarrenschläger hat sich Steffen Mohr in den Jahrzehnten seiner Auftritte Freunde gewonnen, die - wie er - schwarzen Jux und grünen Humor lieben. Ein dunkler Charakter offenbart hier seine heitere Seite. Die Nähe zu Wilhelm Buschs Spruchweisheit und Christian Morgensterns hintergründigem Spaß ist in den Liedern dieses Galgenvogels unverkennbar.
Steffen Mohr hat die Texte seiner erfolgreichen kabarettistischen Auftritte seit den 1980er Jahren in diesem Buch veröffentlicht. Seine satirischen Texte brachten ihm in der DDR drei Auftrittsverbote ein. Sie handeln von „Gott und der Welt“. In humorvollen Liedern übt er Kritik an der DDR, wie Wohnungsfragen, fehlende Baukapazitäten (wenn doch Erich mich mal besuchte und mein Dach decken würde), nicht beantwortete Eingaben u. a. Breiten Raum nehmen die Probleme der Nachwendezeit und der Gegenwart ein. Dazu kommen blutrünstige Mordgesänge, Lieder über Bankräuber und andere Galgenlieder. Am Ende ist jeweils die zugehörige Melodie angeführt, Nachsingen ist erwünscht.
LESEPROBE:
Ballade vom Revoluzzer
Irgendwo im Osten - lang ist’s nicht her
lebt ein demokratischer Revolutionär.
Der lief jeden Montag eifrig über’n Ring
und war dankbar, dass die Stasi ihn nicht fing.
Ihm sei Dank und allen Männern, Frau’n.
Könnten sonst kein Deutschland neu aufbau’n.
Und befragt, warum er seine Haut riskiert,
sprach der Revoluzzer damals ungeniert:

„Wie ein Mensch möcht’ ich gern leben,
meine Meinung sagen. - Geld
nur für meine Leistung haben,
reisen in die weite Welt.“

Sein Kollege - hieß er Schulz oder Schmidt?
Der lief damals über’n Ring nicht mit.
Doch zwischen Mauerfall und Einheit - hoppiahe!
trat er bei der jungen SPD.
„Kumpel“, sprach der Schmidt zum Revolutionär,
„deine Ideale gibt’s nicht mehr.
Willst du endlich was bedeuten, hoppiahe,
dann tritt ein in ...!“ Doch der Kumpel sagte: „Nee!“

„Wie ein Mensch möcht’ ich gern leben,
meine Meinung sagen. - Geld
nur für meine Leistung haben,
reisen in die weite Welt.“

Heute reist Herr Schulzschmidt durch die Welt.
Heute hat Herr Schulzschmidt dickes Geld.
Seine Meinung sagen darf der Kumpel bloß,
denn zu mehr reichts kaum: Er ist jetzt arbeitslos.



Der Töterich wütet auf Wunsch, natürlich im Knöterich. Ein Mordanschlag trifft nicht den ungetreuen Musiker, sondern dessen Liebchen. Die Radeltour hat ein erotisches finish. Und gegen das Banküberfallunwesen hilft nur eins: Schwere Jungen muss man küssen ...
Als Kabarettist und Gitarrenschläger hat sich Steffen Mohr in den Jahrzehnten seiner ...
Galgenvogels Mondgesang
Lob des Würgers oder: Von Trost und Nutzen der Trivialpoesie
Lied eines Galgenvogels
Der Hochwassertourist
Blutiger Anschlag auf einen Musiker
Plauderei unter Schreibtischtätern
Der Blinddarmgourmet
Drückersong
Der Kabinettdirektor
Die Ballade vom Töterich
Mutti
Vom Weihnachtsmann und anderen Märchengeistern
Die schlimmen Bücher
Weihnachtslied
Adventslied
Wunschzettel eines Leipziger Schülers
Oh, du liebes Dinokind
Lieber, toter Weihnachtsmann
Zeitweise himmlische Ruh
Häufige Nouvelle
Froschkönigs Kinder
Blaublütige Moritat
Ballade vom bösen Ossi
Dämonen, damals rot (D-D-R)
Der Dichter
Lied für den Märtyrer Jerzy Popieluszko
Nachts, fünf nach zwölf
Lied zur Aufstellung eines Reiterdenkmals in der Hauptstadt Berlin
Zu Leipzig, bei der Völkerschlacht
Begegnung am Fluss
Ein Rentner
Lied von der Eingabe
Hänsel und Gretel
Der fertige Frieden
Informationsstufen im Falle einer fiktiven Katastrophe
Dachdeckermoritat
Blüten in unserem Lande
Lebende Leichname, made in BRD
Theaterlied
Festlied einer Rathausbrigade (Ost) anno 1992
Ballade vom Revoluzzer
Eyn Lied fürs Stammbuch des teutschen Christen
Ach, Kirchlein
Sprüche überm Schultor
Wahlkampflied für Kinder
Bericht von der Landung der Außerirdischen
Sonne, Afrika und wir
Der Pulk
Ein anonymer Redakteur
Der Setzfehler
Nur 5 Worte
Die Mädchen von Neu-Paunsdorf
Ein Held unserer Tage
Flugzeugabsturz in Deutschland
10 kleine Deutsche
Alle Vögel
Schwere Jungen muss man küssen
Lösungslied für das Banküberfallunwesen
Empfang mit Prinzessin Beatrix
Sächsisches Duett am Kneipentelefon
Ich bin noch gut
Die Nymphomanin
Die Fahrradpanne
Zauberlied
Frühlingsballade
Sauflied
Ostdeutsche Romanze
Ein tröstlich Lied
4 Fragen an den Galgenvogel
Steffen Mohr wurde am 24. Juli 1942 in Leipzig geboren, wo er auch aufgewachsen und bis heute geblieben ist. Nach dem Abitur studierte er sowohl (katholische) Theologie als auch Theaterwissenschaften, welche er 1966 mit einem Diplom abschloss. Nach seiner Ausbildung am Leipziger Literaturinstitut kam 1975 ein zweites Diplom hinzu. Davor hatte Mohr unter anderem als Hilfsarbeiter und Hilfsschauspieler, als elektrischer Prüfer und als Redakteur beim „Sächsischen Tageblatt“ sowie als Regieassistent beim Jugendtheater und als Dramaturg beim DDR-Fernsehen (Krimi-Genre), aber auch als Briefträger und Leiter wilder Theatergruppen gearbeitet. Seine erste Kriminalstory hatte Mohr 1966 unter dem Pseudonym „Harald Eger“ in der bekannten „Blaulicht“-Reihe veröffentlicht – „weil mir sonst als Student das Honorar vom Stipendium abgezogen worden wäre“. Weitere Bücher folgten und schließlich 1989 gemeinsam mit dem West-Berliner Autor -ky (Hinter diesem Kürzel verbirgt sich der erfolgreiche Kriminalschriftsteller und Soziologieprofessor Dr. Horst Bosetzky, Jahrgang 1938) der erste und zugleich letzte deutsch-deutsche Krimi „Schau nicht hin, schau nicht her“ – erschienen zwei Monate vor dem Mauerfall. Eine literarische Spezialität des Leipziger Künstlers, der auch als Dozent für kreatives Schreiben tätig ist und der Freien Literaturgesellschaft Leipzig e.V. vorsteht, sind seine Rätselkrimis, die bundesweit in Zeitungen mit einer wöchentlichen Auflage von etwa 1 Million Exemplaren veröffentlicht werden. Darin lässt Mohr nicht nur den Leipziger Kommissar Gustav Merks ermitteln, sondern vor allem seine kriminalistisch veranlagten Leserinnen und Leser.
Ballade vom Revoluzzer
Irgendwo im Osten - lang ist’s nicht her
lebt ein demokratischer Revolutionär.
Der lief jeden Montag eifrig über’n Ring
und war dankbar, dass die Stasi ihn nicht fing.
Ihm sei Dank und allen Männern, Frau’n.
Könnten sonst kein Deutschland neu aufbau’n.
Und befragt, warum er seine Haut riskiert,
sprach der Revoluzzer damals ungeniert:

„Wie ein Mensch möcht’ ich gern leben,
meine Meinung sagen. - Geld
nur für meine Leistung haben,
reisen in die weite Welt.“

Sein Kollege - hieß er Schulz oder Schmidt?
Der lief damals über’n Ring nicht mit.
Doch zwischen Mauerfall und Einheit - hoppiahe!
trat er bei der jungen SPD.
„Kumpel“, sprach der Schmidt zum Revolutionär,
„deine Ideale gibt’s nicht mehr.
Willst du endlich was bedeuten, hoppiahe,
dann tritt ein in ...!“ Doch der Kumpel sagte: „Nee!“

„Wie ein Mensch möcht’ ich gern leben,
meine Meinung sagen. - Geld
nur für meine Leistung haben,
reisen in die weite Welt.“

Heute reist Herr Schulzschmidt durch die Welt.
Heute hat Herr Schulzschmidt dickes Geld.
Seine Meinung sagen darf der Kumpel bloß,
denn zu mehr reichts kaum: Er ist jetzt arbeitslos.
Aber neulich, als er Schulzschmidt attackierte,
weil der wie ein früh’rer Bonze reagierte,
droht der and’re ihm mit Anwalt, Strafregistern ...
Seitdem darf der Revoluzzer nur noch flüstern:

„Wie ein Mensch möcht’ ich gern leben,
meine Meinung sagen. - Geld
nur für meine Leistung haben,
reisen in die weite Welt.“

Wunschzettel eines Leipziger Schülers
Lieber, guter Weihnachtsmann!
Hör dir meine Wünsche an.
Hab Verständnis, wie ich bin.
Mutti, die ist Lehrerin.

Wäre sie vom Stress befreit,
hätte sie für mich mehr Zeit.
Darum bitt’ ich dich darum:
Sprenge ihr Gymnasium!

Unsrer Wohnung - halb kaputt -,
weil die LWB nichts tut,
schick ‘nen Blitz, der sie zerfetzt,
dann wird sie instandgesetzt.

Wirf den Oberbürgermeister
in ’nen Biesentopf voll Kleister
dass er schreit, weil er erschrickt!
Und nicht mehr zu allem nickt.

Hau das Leipz’ger Parlament
mit der Rute, dass es rennt -
in die alten Mietskasernen,
denn sie seh’n nicht mehr die Leute!
Weihnachtsmann, das war’s für heute.
Und nun will ich fleißig lernen.

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