Details

Malgründe


Malgründe


1. Auflage

von: Johannes Helm

6,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 30.03.2013
ISBN/EAN: 9783863949815
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 146

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Wenn ein erwachsener Mann, mit siebzehn Jahren Soldat gewesen, bis zum Zwanzigsten Kriegsgefangener, dann ABF- und Psychologiestudent, Assistent an der Uni, Dozent für psychologische Therapie, drei große Kinder, den sogenannten Platz im Leben gefunden haben könnte, den gewundenen Weg hinter sich, den geraden Weg vor sich, wenn dieser Mann mit vierundvierzig Jahren zu Weihnachten seiner Freundin sein erstes kleines Ölbild malt, ein Nachtbild, einen Park am Fluss, eine einsame Spaziergängerin, fast nicht von dieser Welt, im Fluss ein Kahn mit Leuten und Lampions, wenn er es malt mit den fast vertrockneten Farben aus den Tuben des bewunderten alten Malers, der noch nicht lange tot ist, wenn er nach diesem Bild weiter malt, nun mit eigenen Farben, nicht mehr auf Pappe, sondern auf Leinwand, auf Holz, wenn er abends und am Sonntag und im Urlaub an seinen Tisch geht, seine Brille aufsetzt, Terpentin in eine kleine Porzellanschüssel gießt, der Malgeruch sich im Zimmer ausbreitet, wenn er seine Kindheitslandschaft malt, ruhige Bilder, zwischen seinen Vorlesungen und den Nachrichten von Plänen und Staatsbesuchen und Unglücksfällen, wenn er immer wieder zu malen aufhört und als richtig erwachsener Mann arbeitet, dann wieder leise malt, wenn er, inzwischen fünfzig, auch anfängt zu schreiben, ebenso stille, nachdenkliche Geschichten über seine Malgründe, dann entsteht ein Buch, das uns Hoffnung macht: Eigentlich könnte jeder von uns täglich neu anfangen.
Mit einem Vorwort von Helga Schubert und einem Nachwort von Gerhard Wolf.
Vorwort
Bilder und Geschichten
Abends am Wasser
Endstation
Gerede über Bilder
Albert Eberts Laternenfest
Rummel am Bahndamm
Hinterhöfe
Sommerabend beim Fischer
Der rote Hut
Eintrübungen
Der Pantomime
Möwenacker
Das Atelier
Die drei Könige
An der See
Polnisches Gehöft
Vornehme Katze
Schöne Nacht
Malorte
Ein nachgemachter Naiver
Herbst an der See
Neujahr am Bach
Hilferuf
Puppenspiel
Flussbild und Weidenbild
Etwas ähnliches Selbstporträt
Dorfsilvester
Neuer Hut
Ruhestunde
Ballonfahrt
Ohne Nägel
Bilderzeiten
Tulpenbäume
Metelner Bilder
Heckenrosen
Abendliche Reise
Ungemalte Bilder
Nachwort
Johannes Helm
Ordentlicher Professor für Klinische Psychologie, emeritus, Dr. habil.
Geboren 1927 in Schlesiersee (Schlawa). Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität Berlin. Verfasser umfangreicher Fachliteratur und von Lehrmaterialien. Herausgeber verschiedener Fachbücher und Autor eines Lehrbuchs.
Verheiratet mit der Schriftstellerin Helga Schubert. Nach Jahrzehnten in Berlin leben und arbeiten sie seit 2008 in Neu Meteln/ Landkreis Nordwestmecklenburg, wo sie auch eine Galerie mit monatlichem Wechsel seiner Bilder eröffneten.
Johannes Helm malt seit 1972. Bisher 1005 Ölbilder. Ausstellungen im In- und Ausland.
Johannes Helm veröffentlichte seit 1976 neben Hörfunkerzählungen und Anthologiebeiträgen folgende auf sein Malen bezogene Bücher:
Malgründe, Bilder und Geschichten, 1978, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
Ellis Himmel, 1981, Kinderbuchverlag Berlin
Seh ich Raben, ruf ich, Brüder, Gedichte und Bilder, 1996, Stock & Stein Verlags GmbH, Schwerin
Gegenwelten, (Ölgemälde von Johannes Helm mit Texten dazu von Ralph Giordano, Helga Schütz, Jürgen Borchert, Ulrich Schacht und Helga Schubert), 2001, Stock & Stein Verlags GmbH, Schwerin
Tanz auf der Ruine, (Bilder aus einem vergangenen Land), Episodenroman, 2007, dissertation-de Verlag GmbH, Berlin
Etwas ähnliches Selbstporträt
Maler, die sich selbst porträtieren, schaffen sich nicht selten einen anderen als ihren üblichen Aufzug, wenn sie es nicht vorziehen, streng blickenden Auges und mit erhobenem Pinsel hinter der Leinwand zu sitzen. Selbst dann findet sich meistens noch irgendwo eine kleine Zutat, vielleicht ein bunt schillernder Käfer, eine schöne Blüte. Auch Totenschädel oder Sanduhren, die an die Vergänglichkeit gemahnen.
Was ist das schon gegen ein Selbstporträt im roten Samtumhang, ein großrandiger Hut mit breiter Schärpe macht sich ebenfalls gut, besonders, wenn sich dahinter eine weite Landschaft im Blauen verliert.
Nun habe ich meinen Aufhänger: Warum dieses gestreifte Unterhemd, die zerknautschte Mütze, die ich in Bulgarien kaufte und nur dort wegen der Sonne trug. Was soll die grobe Quadermauer mit den darauf gestapelten Schieferbrocken, davor die Glyzine und die etwas manirierte Rose, dahinter einige Distelblüten unter grünem Abendhimmel?
Es ist zwei Jahre her, ich will mich erinnern, wie das war. Auf dem Schreibtisch stand zwischen den Malsachen ein Spiegel. Es sollte mein erstes Porträt werden. Ich dachte, lieber an mir selbst als an anderen erkunden, wie das ausgeht. So wurde es auch mein erstes Selbstporträt.
Im gestreiften Unterhemd saß ich wegen der Zimmerwärme. Es war etwas heller gestreift, aber ich wollte einen dunkleren Abschluss im Bild. Bei der Mütze war ich gleich zweifach eitel. Sie verdeckt mein gelichtetes Haar und macht mich ein bisschen verwegen. Weiß, wie sie eigentlich ist, wollte ich sie nicht lassen. Rötlich stand sie schöner vor dem Himmel und ergänzte so auch besser die Farben von Rose, Hemd und Glyzine. Zur Mauer fällt mir nur ein, dass ich sie hinter mir haben wollte, nicht ganz unauffällig, nicht leer, eher berankt. Ein altes Gartenbuch lieferte mir die Glyzine. Rosen mochte ich immer, Disteln auch.
Aber warum das alles? Ich kann keine Regeln zum Entschlüsseln von Rose, Glyzine, Mauer und Mütze angeben. Eigentlich hätte ich auch etwas anderes um mich herum malen können.
Doch das stimmt nicht ganz. Anderes schon, aber es könnte nichts Beliebiges sein, kein tagblauer Himmel, vermutlich wieder eine blühende Blume, Fingerhut oder Akelei vielleicht. Bestimmt keine Krawatte. Zufällig war die Auswahl der Requisiten nicht, aber mir war auch nicht richtig bewusst, wonach sie sich richtete. Man sagt, da helfen Einfälle weiter.
Welche kommen mir, während ich das Bild ansehe? Rosen und Disteln stechen. Immer mit dem Rücken an der Wand bleiben. Wie ungern bin ich „gut angezogen". Ich möchte robuster sein, sogar tätowiert habe ich mich mit der Signierung. Abends fühle ich mich am wohlsten, besonders in der Unwirklichkeit bestimmter Dämmerungen. Rosenlieder berühren und amüsieren mich zugleich: Letzte Rose, Rose weiß - Rose rot, Rosenstock hold erblüh.
Auch innerlich nur ein etwas ähnliches Selbstporträt.

Diese Produkte könnten Sie auch interessieren:

Keine Zeit für Beifall
Keine Zeit für Beifall
von: Gabriele Herzog
PDF ebook
7,99 €
Meine doppelte Liebe
Meine doppelte Liebe
von: Heinz Kruschel
PDF ebook
7,99 €
Tatort Studentenheim
Tatort Studentenheim
von: Rudi Czerwenka, Ernst Franta
PDF ebook
4,99 €