Details

Die Kutsche als Liebesnest und andere Frivolitäten


Die Kutsche als Liebesnest und andere Frivolitäten


1. Auflage

von: Alphonse Allais

8,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 25.03.2019
ISBN/EAN: 9783956559860
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 144

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Apotheker wie sein Vater ist er nicht geworden, der 1854 in Honfleur am Ärmelkanal geborene Schriftsteller Alphonse Allais, dafür aber ein gewitzter Journalist, Kabarettist und Verfasser zahlreicher spritziger Kurzgeschichten. In Deutschland kaum bekannt, gehört er in Frankreich zum bleibenden Bestand der Humoristen, auf deren Texte immer gern zurückgegriffen wird.
Allais’ großes Thema war die Liebe. In ereignisreicher Zeit aufgewachsen, die vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, der Kommune und späteren revanchistischen Bestrebungen der Politik geprägt war, verspottete er gern die Militärs, besonders den Kriegsminister Boulanger. Vorwiegend aber widmete er sich dem Milieu, in dem er seit seiner Übersiedlung nach Paris zu Hause war: der Bohème von Quartier Latin und Montmartre. Leichte Mädchen, geizige Schankwirte, gehörnte Ehemänner, trinkfeste Künstler, aber auch vertrocknete Beamte, heruntergekommene Adlige, wunderliche Seeleute und Zöllner sind die Helden seiner griffig geschriebenen pointierten Texte. Wenn der Maler in etwa sein Modell in Stimmung bringt, der sparsame Schwager den Leichnam des Kohlenhändlers zum Fotografen schleppt, eine sexverrückte Gräfin den Musikus am liebsten mitsamt seinen Geräten ins Bett holen will, verspürt man selber den Kitzel und die Freude, die dieser arglistig-freundliche Franzose beim Ausdenken seiner Geschichten ganz bestimmt hatte.
Apotheker wie sein Vater ist er nicht geworden, der 1854 in Honfleur am Ärmelkanal geborene Schriftsteller Alphonse Allais, dafür aber ein gewitzter Journalist, Kabarettist und Verfasser zahlreicher spritziger Kurzgeschichten. In Deutschland kaum bekannt, gehört er in Frankreich zum bleibenden Bestand der Humoristen, auf deren Texte immer gern ...
Die Palme
Die entflammte Bacchantin
Jugend
Der Sprengwagen
Die Kutsche als Liebesnest
Ein Philosoph
Schmuggel
Die Templer
Weiße Nacht eines Roten Husaren
Mjusik
Das Abenteuer eines Orchestermannes
Ehrenbezeigung für Mougeot
Eine glänzende Idee
Der Korken
Moderne Idylle
Sparsamkeit
Eine Lokalnachricht
Ein dankbarer Patient
Tom
Aalfang
Ein trefflicher Rat
Selbsthypnose
Ein alter Seebär
Der Mann mit dem Holzbein
Eine unverhoffte Reise
Die Küste Westafrikas
Beleidigungen Frankreichs
Und Daudet?
Berufung
Der schlaue Reservist
Liebesdienste
ALPHONSE ALLAIS, DER SPÖTTISCHE WIKINGER
Allais wurde am 20.10.1854 in der malerischen Hafenstadt Honfleur geboren, die an der Seinemündung gegenüber von Le Havre liegt. Er ist nicht der einzige bekannte Künstler, den dieser kleine Ort hervorbrachte. Unter anderem kamen hier der Maler Eugène Boudin, der Komponist Eric Satie, der Lyriker Henri de Regnier und der schriftstellernde Historiker Albert Sorel zur Welt. In Honfleur gibt es im Zentrum eine Art Torbogen, Place Alphonse Allais genannt, und etwas außerhalb eine Gasse mit seinem Namen. Hier lebte er als Kind, und von hier aus kann man durch Gebäude- und Mauerlücken einen Blick auf den Ärmelkanal, auf die Gewässer und Buchten werfen, die manchem seiner Texte eine so lockere maritime Note verleihen. Auch benachbarte Ort wie Trouville, Etretat, Le Tréport tauchen in den Erzählungen auf, vermitteln etwas von der Küsten- und Seefahrtsatmosphäre der Normandie.
Sein Vater war Apotheker, und die Familie hätte es gern gesehen, wenn der Sohn in seine Fußstapfen getreten wäre. Doch obwohl Allais achtzehnjährig in Paris ein pharmazeutisches Studium aufnahm, zog es ihn weit mehr zur Literatur. Schon in Honfleur hatte er erste Schreibversuche unternommen, nun regte ihn das Studenten- und Bohèmemilieu seiner neuen Umgebung umso heftiger an, die Feder zu gebrauchen. Allerdings reichte das keineswegs aus, ihn zu ernähren, weshalb er nach seinem Militärdienst 1875/76 nebenbei als Apothekergehilfe arbeitete. Zwei Jahre später verzichtete er darauf, fällige Prüfungen abzulegen, und bekam von den Eltern die Quittung präsentiert – sie strichen ihm die bis dahin gewährte finanzielle Unterstützung. Auf diese Wechselfälle seines Lebens kommt der Autor in seinen Geschichten hin und wieder diskret spöttisch zu sprechen.
Wenngleich Allais ein paar Theaterstücke und Romane geschrieben hat, galt seine Hauptneigung doch der kleinen Form, den Aphorismen, Anekdoten, Sketchen fürs Kabarett, dem Feuilleton und der Kurzgeschichte. Hier konnte er seinen Witz entfalten, kannte sich aus. Er arbeitete an verschiedenen Zeitungen mit, belieferte sie mit humorigen oder kritischen, pointierten Texten, die er nach Aussage von Bekannten oft an Kaffeehaustischen eine Stunde vor dem Abgabetermin zu Papier brachte.
Ein dankbarer Patient
Es ist nicht ausgeschlossen, liebe Freunde, dass euch beim Lesen, mögt ihr es nun aus Wissensdurst tun oder aus bloßem Vergnügen, irgendeine Geschichte unterkommt, die von der Intelligenz der Tiere handelt.
Wenn es um Hunde geht, so geschieht das meist nicht zu eurem Schaden, erfahrt ihr doch vom Erzähler im Allgemeinen etwas über jene außerordentlichen Eigenschaften, die beim Menschen mehr und mehr verschwinden, so zum Beispiel die Hingabe und die Dankbarkeit.
Es ist noch nicht lange her, da erzählte ich euch die Geschichte eines Hundes, der mir von Pater Etienne zum Geschenk gemacht wurde. Erinnert ihr euch?
Meine arme Töle hatte den Appetit verloren, und ich schob das auf den Kummer, den sie wegen der Abreise ihres Herrchens empfand. Unvermittelt – am Ostersonntag – verlor sich dieses mich beängstigende Verhalten dann wieder und machte einem ungewöhnlichen Heißhunger Platz, der dem Hund fast eine Darmentzündung und das Grab eingebracht hätte.
Ich brauchte nicht lange, um hinter diese Laune zu kommen. Das brave Tier hatte die Angewohnheit seines freundlichen Herrn übernommen. Es fastete freitags und respektierte die damit verbundenen geistlichen Pflichten.
Ich bildete mir viel auf meinen Hund ein und berichtete gern (so stolz, als sei ich der Held gewesen) von seiner Achtung für die katholischen Gepflogenheiten. Bis mir kürzlich jemand ernsthaft den Rang ablief. Er erzählte mir von der Art, wie er zu seinem Spaniel gekommen war, der ihm heute ein treuer Gefährte ist.
Dieser Mann stand eines Tages an seinem Gartentor, ruhig seine Pfeife rauchend, als der besagte Hund daherkam, aber in welch armseliger Verfassung!
Das Fell zerzaust, ein Auge fast erloschen, eine der Pfoten stark gequetscht.
Bewegt von so viel Kläglichkeit, erbarmte sich der Mann und ließ dem Unglücklichen alle Pflege angedeihen, die sein Zustand erforderte, das heißt, er legte ihm sorgsam einen Verband an und gab ihm etwas Gutes zu fressen.
Danach trottete die Töle, ohne sich zu bedanken, hinkend in unbestimmter Richtung davon.
„Undankbarer Köter“, sagte der Mann.
Bass erstaunt aber war er, als sein vierbeiniger Patient zwei oder drei Tage später sehr artig und bescheiden zurückkehrte und ihm die immer noch verletzte Pfote hinhielt.
Ein neuer Verband, erneut etwas zu fressen, erneutes Davonhinken irgendwohin.
So zog sich die Sache hin, bis die geschundene Pfote wieder in Ordnung war.
Dann dauerte das Verschwinden länger.
Der Mann maß dem Ganzen nur die geringe Bedeutung bei, die es zu verdienen schien, doch eines Morgens, es war kaum hell geworden, hörte er unter seinem Fenster behutsames Bellen und ein Kratzen an der Tür.
Neugierig erhob er sich und schaute nach.
Was sah er?
Den armen Hund, den er gepflegt hatte. Er war völlig wiederhergestellt, strahlte Gesundheit wie Freude aus und sprang mit einem prächtigen Hasen in der Schnauze (von dreizehn, vierzehn Pfund, wie mir der Mann versicherte) vor ihm auf und nieder.
Und von da an geschah Woche für Woche das Gleiche: Mal war es ein Hase, mal ein Rebhuhn, mal eine Schnepfe, immer jedoch ein ausgesuchtes Stück.
In der Tat, wenn es einen dankbaren Patienten gab, dann war es dieser Hund.
Aber, liebe Leser und ihr, Leserinnen, für deren winzigstes Lächeln ich mich in Stücke reißen lasse, das war noch gar nichts.
Eines Morgens, „wau–wau–wau!“. Der Mann streifte schnell die Hosen über und sauste die Treppe hinunter.
Gerade an diesem Tag hatte er eine Menge Leute zum Essen eingeladen.
Diesmal verwöhnte ihn der Hund.
Ein Fasan!
Ein wunderbarer Fasan!
Doch was entdeckte er am Federkleid des königlichen Vogels?Ein gummiertes Etikett mit der Aufschrift: „Sechs Francs“.
Der gute Hund hat an diesem Tag zweifellos ganz umsonst gejagt, und um nicht unverrichteter Dinge vor seinem Wohltäter zu erscheinen, hatte er das getan, was die Jäger in solch einem Fall oft zu tun pflegen.
Er hatte beim Wild– und Geflügelhändler vorbeigeschaut!

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