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Der Bachstelzenorden


Der Bachstelzenorden

Fünf Erzählungen
1. Auflage

von: Wolf Spillner

5,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 20.04.2015
ISBN/EAN: 9783956553332
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 132

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Gäbe es ihn, Hannes hätte ihn verdient: den Bachstelzenorden. Und nicht nur, weil er Stapellauf, Auszeichnung und Fernsehkamera davonlief, um ein Bachstelzennest zu retten. - Eines Tages hält Gustav seine Lok vorschriftswidrig an. Seltsam, denkt er, dass die Vögel nicht nach der Seite davonfliegen, sondern immer gegen die fahrende Lok prallen und sterben. Und er beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen.
Wolf Spillner hatte als Junge den großen Wunsch, einen Hund zu besitzen. Der erfüllte sich schließlich, doch was dann geschah, ist ihm auch heute noch Anlass, in seinen Geschichten von Menschen und Tieren zu erzählen, von keinen besonderen Menschen und keinen exotischen Tieren, sondern solchen, denen man überall begegnen kann, schaut man nur richtig hin.
LESEPROBE:
Hinter dem Buschwerk blieb ich stehen. Auf dem flachen Hang gegenüber lag noch ein Hauch vom roten Abendlicht. Vor den ausgeworfenen Sandwällen hockten Wildkaninchen. Ich glaube, mir blieb der Mund offen vor Staunen, so viele waren es. Kleine und große. Die Jüngsten, gerade so groß wie meine Faust, saßen zu zweit oder dritt eng beisammen. Sie sahen wie Spielzeugtiere aus mit ihren kleinen Ohren. Die Kaninchen putzten sich, leckten sich das glatte Fell oder hoppelten langsam und behäbig den Hang hinauf und verschwanden im Blaubeerkraut. Das war eine richtige Kaninchenstadt.
Und hier, mitten zwischen den Wildkaninchen sollte der Fuchs wohnen? Ihr ärgster Feind? Das wollte mir nicht einleuchten. Gewiss hatte der Fuchs den Bau nur als Unterschlupf vor Widu genutzt. Aber diese tiefen Röhren unter den Eichen - das waren keine Kaninchenlöcher! Ich stand und rätselte herum. Da klopfte es dumpf und kurz. Dum-dum-dump! Alle Kaninchen streckten sich und hoben die Ohren. Wieder klang es: Dump-Dump-Dump! Dann noch einmal, jetzt sogar ein zweifaches Klopfen. Ich sah, dass zwei starke Kaninchen mit den Hinterbeinen auf den Boden pochten. Und im nächsten Augenblick huschte die ganze Kaninchengesellschaft davon. Ihre weißen Wollschwänze blitzten, und die kleinen graubraunen Fellknäuel sausten zu ihren Röhren. Sie verschwanden darin so plötzlich, als seien sie verschluckt.
Ich hatte mich nicht gerührt. Und der Wind kam von den Kaninchen auf mich zu. Sie konnten mich nicht bemerkt haben.
War ein Mensch in der Nähe? Ich erstarrte: Knappe zehn Meter vor mir, wo das lichte Gebüsch aus Birkenjungwuchs und Faulbaum die Senke abgrenzte, tauchte ein spitzer Kopf ...
Gäbe es ihn, Hannes hätte ihn verdient: den Bachstelzenorden. Und nicht nur, weil er Stapellauf, Auszeichnung und Fernsehkamera davonlief, um ein Bachstelzennest zu retten. - Eines Tages hält Gustav seine Lok vorschriftswidrig an. Seltsam, denkt er, dass die Vögel nicht nach der Seite davonfliegen, sondern immer gegen die fahrende Lok prallen ...
Falkengustav
Die erste Rose
Ein Denkmal für Fritz Schmahl
Der Bachstelzenorden
Die Antwort für das Mädchen mit den Zöpfen
Geboren 1936 in Herzberg am Harz, ist ein deutscher Autor und Fotograf
Aus seinem Geburtsort zog seine Mutter mit ihm in ein winziges Holzhaus am Rande der Lüneburger Heide, als er 13 Jahre alt war. Mit 16 Jahren wurde er Waise. In Mainz war er mehrere Jahre Volontär einer naturwissenschaftlichen Jugendzeitschrift. Als die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland akut wurde, übersiedelte er 1955 in die DDR. Er war in Schwerin etliche Jahre als freier Bildreporter tätig. Auch wurde er für acht Jahre Betonfacharbeiter und nutzte seine Freizeit, um Material für seine ersten Bücher zu erarbeiten. Ab 1967 freiberuflich als Autor und Fotograf tätig. Er wohnte zwei Dutzend Jahre in einem 17–Seelen-Dorf zwischen Wismar und Schwerin in der Naturlandschaft Mecklenburgs am Dambecker See. Heute lebt Wolf Spillner in Ludwigslust.
Spillner arbeitete zunächst als Journalist. Später betrieb er ornithologische Studien und galt als einer der profiliertesten Naturfotografen der DDR. Dabei widmete er sich insbesondere der Beobachtung des Sozialverhaltens koloniebrütender Vögel. Beeinflusst von Werner Lindemann wurde er Mitte der 1970er Jahre zum Autor von Kinder- und Jugendbüchern, von denen einige auch verfilmt wurden. Sein bekanntestes Buch Taube Klara wurde in 8 Sprachen übersetzt und 1991 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Seit einigen Jahren hat er sich der digitalen Fotografie zugewandt, sowie per Fahrrad und Kajak Nordamerika, Nordskandinavien, Neuseeland und Jakutien bereist.
Hinter dem Buschwerk blieb ich stehen. Auf dem flachen Hang gegenüber lag noch ein Hauch vom roten Abendlicht. Vor den ausgeworfenen Sandwällen hockten Wildkaninchen. Ich glaube, mir blieb der Mund offen vor Staunen, so viele waren es. Kleine und große. Die Jüngsten, gerade so groß wie meine Faust, saßen zu zweit oder dritt eng beisammen. Sie sahen wie Spielzeugtiere aus mit ihren kleinen Ohren. Die Kaninchen putzten sich, leckten sich das glatte Fell oder hoppelten langsam und behäbig den Hang hinauf und verschwanden im Blaubeerkraut. Das war eine richtige Kaninchenstadt.
Und hier, mitten zwischen den Wildkaninchen sollte der Fuchs wohnen? Ihr ärgster Feind? Das wollte mir nicht einleuchten. Gewiss hatte der Fuchs den Bau nur als Unterschlupf vor Widu genutzt. Aber diese tiefen Röhren unter den Eichen - das waren keine Kaninchenlöcher! Ich stand und rätselte herum. Da klopfte es dumpf und kurz. Dum-dum-dump! Alle Kaninchen streckten sich und hoben die Ohren. Wieder klang es: Dump-Dump-Dump! Dann noch einmal, jetzt sogar ein zweifaches Klopfen. Ich sah, dass zwei starke Kaninchen mit den Hinterbeinen auf den Boden pochten. Und im nächsten Augenblick huschte die ganze Kaninchengesellschaft davon. Ihre weißen Wollschwänze blitzten, und die kleinen graubraunen Fellknäuel sausten zu ihren Röhren. Sie verschwanden darin so plötzlich, als seien sie verschluckt.
Ich hatte mich nicht gerührt. Und der Wind kam von den Kaninchen auf mich zu. Sie konnten mich nicht bemerkt haben.
War ein Mensch in der Nähe? Ich erstarrte: Knappe zehn Meter vor mir, wo das lichte Gebüsch aus Birkenjungwuchs und Faulbaum die Senke abgrenzte, tauchte ein spitzer Kopf aus der nächsten Röhre hervor. Zwei spitze Ohren standen darüber - der Fuchs! Nicht die leiseste Bewegung war in diesem Kopf. Minutenlang sah ich nur die hellen Augen, die lackschwarze Schnauze vor dem silbergrauen Fang, die silberne Kehle und das herrliche Fell des Kopfes und der Ohren. Vielleicht zitterte die Nase, und die feinen schwarzen Haare rechts und links davon bewegten sich. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein, weil ich selbst vor Aufregung zu zittern begann. Wie lange sollte ich stillstehen?
Mit einem Ruck kam der Fuchs ganz aus der Röhre hervor. Und er merkte nicht, dass ich hinter den Büschen stand! So nahe! Ich atmete vorsichtig und leise. Der Fuchs hob prüfend den Kopf, schnupperte, lief ein Stückchen den Erdwall hinunter, und ehe noch Enttäuschung in mir aufkommen konnte, dass er gleich in den Büschen verschwinden würde und ich ihn nicht mehr sehen sollte, tapste vor mir ein junger Fuchs aus der Röhre.
Das ist nun schon dreißig Jahre her, aber ich habe dieses Bild nicht vergessen. Ich war ganz fassungslos. Ein graurotes Wollknäuel mit spitzer Schnauze und spitzem Schwanz stand da, ein kleines Märchentier, ohne Arg und List. Es blinzelte in die Abendsonne, nieste und schien dann auf kurzen Beinen loszurollen. Doch ehe es noch den Erdwall hinunterkollerte, kam ein zweiter, ein dritter und noch ein vierter Jungfuchs heraus. Sie waren wie junge Hunde, nur viel, viel schöner. Sie fielen übereinander her, balgten sich, kugelten umeinander, griffen sich mit ihren kleinen spitzen Schnauzen ins Fell, bissen zu, fiepten auf und tobten herum, als gäbe es keine Gefahren.
Ich war im Märchenland. Erst die vielen Kaninchen, nun die jungen Füchse. Und dass sie alle zusammen in dieser kleinen Talsenke wohnten, wollte mir nicht in den Kopf. Erst viel später habe ich erfahren, dass Füchse in unmittelbarer Nähe ihres Baues keine Beute machen. Der Altfuchs war verschwunden, ganz allein spielten die vier Jungfüchse vor mir. Sie stießen mit ihren Schnauzen nach einem Mistkäfer, der schwarz glänzend über den Sand gekrochen kam, versetzten ihm Pfotenschläge, schlichen sich vorsichtig heran wie an richtige große Beute und fielen im nächsten Augenblick alle übereinander her, ein zuckendes Wollknäuel in Grau und Rot, aus dem die weichen, weißen Bäuche blitzten.
Ich weiß nicht, wie lange ich den Füchsen zugesehen habe. Es wurde bereits dämmrig. Ich hob den Kopf, um nach dem Himmel zu sehen. Als ich ihn wieder herunternahm, verschwand schon der letzte Jungfuchs in der Röhre. Blitzschnell hatten sie meine kleine Bewegung wahrgenommen. Es waren keine Märchentiere, sondern scheue Wildfüchse. Und doch kam mir alles wie ein Märchen vor.
Der helle Himmelsstreifen zwischen den Baumkronen wies mir den Pfad zum Waldrand. Dunkler stand rechts und links das Unterholz. Von vorn schimmerte die Feldmark. Sanft wellte sich dort der Roggen noch in mattem, silbernem Grün. Der Duft des blühenden Getreides schlug herb in den Wald herein mit seiner Kühle.
Ehe ich aus dem Wald auf den Feldweg herauskam, sprang schreckend ein Rehbock ab. Seine Stimme dröhnte lauter als das Bellen eines großen Hundes in die Stille. ,,Bö - bö - bö!“
„Halt, bleib stehen!“
Ich erschrak furchtbar. Vor mir, wie aus den Büschen gewachsen, stand ein Mann. Er hatte ein Gewehr. Er war groß, trug einen Jägerhut und einen Lodenmantel.
„Komm her, du!“

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