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Das Kreuz am Wege


Das Kreuz am Wege


1. Auflage

von: Heinz Kruschel

7,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 20.10.2014
ISBN/EAN: 9783956550959
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 275

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Der Journalist Hans Pohnert, Leiter der Kulturredaktion der „Allgemeinen“ ist froh, dass er bei einer unabhängigen Tageszeitung arbeiten kann und platziert manchen kritischen Artikel. Als der von ihm geschätzte Kollege Salmund einen Artikel über neofaschistische Tendenzen in der Bundesrepublik Ende der 1950er Jahre nicht veröffentlichen darf, hält Pohnert das von Salmund beschriebene Beispiel für ein Einzelproblem, das in der Demokratie keine Chancen hat.
Doch dann soll Pohnert an einem Soldatentreffen in Wurmfing teilnehmen und alle verdrängten Erinnerungen an die letzten Kriegstage im Wurmfinger Hochmeer, wohin er mit mehreren Klassenkameraden zum Werwolf kommandiert war, wurden wieder wach: Der Tod seiner ersten Liebe Christine und des Klassenprimus Manni, das sinnlose Gefecht gegen die Amerikaner und die Flucht durch das Moor. Hans will es gar nicht glauben, dass sein damaliger Stammführer Kalle Kozruk, der damals viel Schuld auf sich geladen hatte, bei dem Treffen als anerkannter Bundeswehroffizier die „alten Kameraden“ zu neuen Taten gen Osten aufruft.
Ein spannender Roman von 1964 über den Beginn der Friedensbewegung in der Bundesrepublik und den Umgang mit der faschistischen Vergangenheit.

INHALT:
Sie lieben keine Entscheidungen um Kopf und Kragen
Wurden wir nur geboren, um vergessen zu werden?
Der Schild des deutschen Soldatentums ist rein, und fleckenlos sind die Offiziere der Bundeswehr
Wir wollen die Wahrheit, nur die unbequeme Wahrheit
Der Journalist Hans Pohnert, Leiter der Kulturredaktion der „Allgemeinen“ ist froh, dass er bei einer unabhängigen Tageszeitung arbeiten kann und platziert manchen kritischen Artikel. Als der von ihm geschätzte Kollege Salmund einen Artikel über neofaschistische Tendenzen in der Bundesrepublik Ende der 1950er Jahre nicht veröffentlichen darf, ...
Sie lieben keine Entscheidungen um Kopf und Kragen
Wurden wir nur geboren, um vergessen zu werden?
Der Schild des deutschen Soldatentums ist rein, und fleckenlos sind die Offiziere der Bundeswehr
Wir wollen die Wahrheit, nur die unbequeme Wahrheit
Heinz Kruschel, 1929–2011, Sohn eines Bergmanns und späteren kaufmännischen Angestellten der Staßfurter Salzbergwerke, entging nur knapp dem für seine Generation typischen Schicksal, im finalen Aufgebot der letzten Kriegstage - dem "Volkssturm" - verheizt zu werden.
Noch ehe er seine Modelltischlerlehre beendet hatte, beschloss die Partei, in die er jung eingetreten war, dass er Neulehrer zu werden habe, und ließ ihn 1949/50 am Lehrerbildungsinstitut in Staßfurt studieren. Anschließend war er Lehrer in Sandersdorf - den Schülern jeweils ein Kapitel im Lehrbuch voraus -, danach in Magdeburg und Egeln sowie Direktor einer Erweiterten Oberschule in Havelberg.
Nach einem berufsbgeleitenden Fernstudium der Germanistik war er Journalist und Kulturredakteur bei der "Volksstimme" in Magdeburg. Ab 1963 lebte er als freier Schriftsteller in Magdeburg, bereiste im Auftrag von Illustrierten wie der "Für dich" Ungarn, Bulgarien, Usbekistan und Kuba und schrieb zahlreiche Erzählungen und Romane für Jugendliche und Erwachsene.
Sein Roman "Das Mädchen Ann und der Soldat" wurde 25 Jahre lang immer wieder neu aufgelegt, während Bücher wie "Der Mann mit den vielen Namen" oder "Leben. Nicht allein" erst nach erbitterten Auseinandersetzungen mit jenen Behörden, die Literatur zu genehmigen hatten, erscheinen durften.
Sein Roman "Gesucht wird die freundliche Welt", der als erster in der DDR das Thema des Umgangs mit straffällig gewordenen Jugendlichen thematisierte, wurde 1978 von Erwin Stranka unter dem Titel "Sabine Wulff" verfilmt.
Auszeichnungen:
Erich-Weinert-Preis der Stadt Magdeburg
Theodor-Körner-Preis
Banner der Arbeit
Literaturpreis des FDGB
Vaterländischer Verdienstorden
In der Zeit, als ein bewusstloser, verletzter Journalist in den Nachtstunden in eine Klinik an der Peripherie der Stadt eingeliefert wurde, als ein geschlossener Wagen den Schlosser Schwerdtmenger in ein Untersuchungsgefängnis brachte, als eine verhärmte, alte Frau ihren Mann in den Gassen Wurmfings suchte, saßen in dem bequemen, dunkelgetäfelten Arbeitszimmer des CDU-Abgeordneten Heinrich Kochne drei Männer in angeregtem Gespräch: der Hausherr, der Hauptmann Karl-Heinz Kozruk und ein jüngerer, rotgesichtiger Mann in schwarzem Anzug, der das Wort führte. „Sie sehen die Dinge zu einfach, meine Herren", sagte der jüngere, „wir brauchen uns nichts vorzumachen. Der Wehrdienst ist zurzeit noch unpopulär bei der Jugend. Gewiss, das wird sich ändern, aber wir müssen alles verhindern, was zu einer Ausweitung dieser Stimmung führen kann."
Kozruk ärgerte sich über den ungleichen Brand seiner Zigarre und über die belehrenden Worte des Zivilisten. Diese klugen Leute vom Verfassungsschutz sehen alles wie auf dem Schachspiel, dachte er, die Praxis ist meist anders. Beim Militär gibt es nun mal keine Demokratie, das Geschwafel vom Staatsbürger in Uniform ist doch nur für notorische Zivilisten gemacht. Er lächelte leicht. Diesen jungen Mann da, diesen Doktor Ringeloth, müsste man zwei Jahre lang ausbilden können, könnte nichts schaden, so ein bisschen das Frühstück in den Brustkorb ziehen lassen.
„Der Vorfall hätte vermieden werden können. Hauptmann", sagte Ringeloth scharf, „die Presse ist voll von unliebsamen Geschichten. Sie wissen doch sehr gut, dass Offiziere der Bundeswehr, darunter auch drei Generale, nach dem Verlassen der Präfektur von Toulon von einer erregten Menschenmenge angegriffen worden sind. Man hat sie beschimpft, bedroht ..."
Kozruk winkte schroff ab. „Was hat das mit dem Treffen zu tun, Herr Doktor", sagte er zurechtweisend, „Sie vergleichen falsche Gegebenheiten. Seit wann ist die Stimmung des Pöbels für uns ein Kriterium?"
„Das meine ich auch", ließ sich Kochne verlauten „In Frankreich hat es schon immer Pack gegeben, das bereit war, auf die Straße zu gehen und Krawall zu schlagen!"
„Ich habe auch hier eine französische Zeitung", Ringeloth entnahm seiner Aktentasche ein Blatt, „die ‚Libération'. Sie schreibt: ‚Unter Pétain versenkte die französische Marine ihre Schiffe, als die deutschen Soldaten den Hafen betraten. Heute, unter de Gaulle, werden sie als Gäste empfangen. Sind es nicht die gleichen Deutschen? Doch. Das gilt für alle höheren Offiziere, die schon Dienst unter Hitler taten. Und nichts gestattet uns, anzunehmen, dass sie sich geändert hätten.' Was sagen Sie nun dazu? Ist das auch noch Pöbelmeinung?"
Erregt stand der Hauptmann auf. „Was wollen Sie eigentlich? Mich bei der vorgesetzten Dienststelle melden? Bitte sehr. Ich habe meine Pflicht getan. Mein Vorgehen war einwandfrei. Warum zitieren Sie hier aus prokommunistischen Zeitungen? Wir haben über anderes zu reden!"
„Genau über das, meine Herren. Wir können es uns nicht erlauben, dass rot gefärbte Kommentare in ernst zu nehmende Zeitungen der Bundesrepublik gelangen. Ihre Haltung war unvorsichtig, Hauptmann. Der Mann hätte anders reagiert oder gar nicht, wenn Sie ihn nicht herausgefordert hätten."
Das wusste Kozruk sehr gut. Pohnert war während der Schulzeit immer ein Schwächling gewesen. Er hatte nicht einmal ernsthaft um das Mädchen gekämpft, das er verloren hatte. Dennoch hatte er sich heute gewundert. Pohnert war ihm selbstbewusst entgegengetreten. Er konnte auch von Schwerdtmenger aufgestachelt worden sein. Dieser Kerl hatte schon während des Krieges genug Scherereien bereitet. Natürlich, nur so war das Verhalten Pohnerts zu erklären. Er teilte den andern seine Ansicht mit, um den Doktor vom Gesprächsthema abzubringen.
Ringeloth schwieg beharrlich.
Kozruk brummte: „Na schön. Dem Pressefritzen wird man wohl das Maul stopfen können. Er ist einfach wahnsinnig geworden, so etwas passiert. Welche Zeitung wird den Bericht eines Wahnsinnigen bringen?"
„Wahnsinn ist auch Vernunft, Hauptmann. Vernunft ohne Wurzeln."
Kozruk achtete nicht auf den Einwand, er liebte keine abstrakten Diskussionen. „Für wen schreibt er eigentlich? Ich meine ..."
„Das ist nicht das Problem", unterbrach ihn Dr. Ringeloth, „den können wir mundtot machen!" Er dachte für einen Augenblick an einen Fall, den er vor Kurzem abgeschlossen hatte. Da hatte es der Chefredakteur einer Tageszeitung in Süddeutschland gewagt, einen Minister während eines Fernsehinterviews zu blamieren. Auf Geheiß des Ministers hin wurde einige Monate hindurch Stimmung gegen das Blatt gemacht, die Auflagenhöhe ging zurück. Inzwischen graste man die Vergangenheit des Redakteurs ab, und es fand sich auch etwas. Ein Verhältnis mit einer minderjährigen Angestellten. Die Sache lag allerdings fünfzehn Jahre zurück, aber der Mann strich vor dem angedrohten Prozess die Segel, schließlich hatte er Familie, erwachsene Kinder, da riskiert keiner mehr was. Heute wurde das Blatt von einem Konzern kontrolliert.
„Es ist nur die Frage, ob er nicht zu anderen Zeitungen läuft. Und dann geht es um den Kommunisten mit der Narbe. Dem kann man bei einiger Geschicklichkeit ein Verfahren anhängen oder ihn auch nur durch Untersuchungshaft zermürben. Bliebe noch der Alte!"
„Was wird mit dem Juden?"
„Er ist beliebt hier, das haben Sie selbst bestätigt. Was lassen Sie auch den Mann zusammenschlagen? Schön, er sollte einen Denkzettel haben, kann die Erregung der Kameraden verstehen, weiß, weiß. Aber das kann man anders machen. Wissen Sie, wie das ausgelegt wird? Antisemitische Ausschreitungen nennt man das, und dabei ist der Mensch nicht mal richtiger Jude. Wir wollen damit nichts zu tun haben, wenigstens öffentlich nicht. Und Sie wollen wiedergewählt werden. So bringen Sie es gefälligst selbst in Ordnung, Herr Bürgermeister!"
Kochne blähte die Nasenflügel, er war wütend, aber er sagte nichts, weil er es mit dem Verfassungsschutz nicht verderben wollte.
„Sie informieren mich laufend, solange es notwendig ist", sagte Ringeloth und gähnte verhalten. „Es ist genug für heute. Ich bleibe selber an dem Fall, einige Leute von uns waren ja in der Versammlung."

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