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Bazillus phantastikus


Bazillus phantastikus

Utopische Erzählungen
1. Auflage

von: Günther Krupkat

5,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: EPUB
Veröffentl.: 20.06.2019
ISBN/EAN: 9783965211537
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 108

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Nicht, dass der Roboter nur Befehle ausführen und arbeiten könnte, wie sein Name eigentlich sagt, nein, es scheint, er kann auch denken – selbstständig und schöpferisch. Vielleicht sogar besser als der Mensch? Man ist geneigt, es anzunehmen, spricht man einem künstlichen Wesen auf Grund menschenähnlichen Verhaltens eigene Denkfähigkeit zu. Und wenn so ein höchst verdächtiges Geschöpf nun gar zerstörerische und gegen die menschliche Gesellschaft gerichtete Handlungen vollzieht, die nach „Aufruhr der Maschine“ aussehen, so möchte man fast meinen, die Sache mit dem Roboter sei doch wohl nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
In den vier utopischen Erzählungen geht es aber auch um Antimaterie und Außerirdische. Adams Angebetete erscheint ihm so traumhaft schön, dass sie unmöglich von dieser Welt sein kann. Deshalb ist er sehr erstaunt, dass ihre gemeinsamen Zwillinge sich überhaupt nicht von anderen Erdensöhnen unterscheiden.
Nicht, dass der Roboter nur Befehle ausführen und arbeiten könnte, wie sein Name eigentlich sagt, nein, es scheint, er kann auch denken – selbstständig und schöpferisch. Vielleicht sogar besser als der Mensch? Man ist geneigt, es anzunehmen, spricht man einem künstlichen Wesen auf Grund menschenähnlichen Verhaltens eigene Denkfähigkeit zu. Und ...
Bazillus phantastikus oder Die Nixe mit dem Hackebeil
Der Mann vom Anti
Das Duell
Insel der Angst
Geboren am 5. Juli 1905 in Berlin, gestorben am 14. April 1990 in Berlin
Sein Entwicklungsgang wurde durch die Folgen der Inflation beeinflusst. Er musste das Ingenieurstudium aufgeben und arbeitete zunächst als Monteur für Hochspannungstechnik. Gleichzeitig schrieb er mit Erfolg Kurzgeschichten. Seine ersten Romane dagegen wurden abgelehnt, weil er sich weigerte, die sozialkritische Aussage nach den Wünschen der Verlage zu verändern. Jahrelang war Günther Krupkat beim Funk als Leiter der Pressepropaganda tätig, bis die Faschisten ihn, den kommunistischen Betriebsratsvorsitzenden, verdrängten. Illegale Arbeit, auch nach seiner Einberufung zum Kriegsdienst, und schließlich Desertion runden das Bild des antifaschistischen Kämpfers ab.
Nach Kriegsende war er zunächst stellvertretender Pressechef im Berliner Polizeipräsidium, danach Chefredakteur einer Zeitschrift für den demokratischen Staatsaufbau. Erst zehn Jahre später konnte er sich wieder der literarischen Arbeit zuwenden. Die nun in rascher Folge erscheinenden Erzählungen, Schauspiele, Fernsehspiele und Romane machten ihn einem großen Leserkreis bekannt.

Bibliografie (Auszüge)
Erzählungen
1956: ''Gefangene des ewigen Kreises'' (Das neue Abenteuer Nr. 86)
1957: ''Kobalt 60'' (Das neue Abenteuer Nr. 114)
1957: ''Nordlicht über Palmen'' (Kleine Jugendreihe Nr. 4/57)
1969: ''Insel der Angst'' (erschienen in der Anthologie ''Das Molekular Cafe'' beim Verlag Das Neue Berlin)
1974: ''Das Duell'' (erschienen in der Anthologie ''Das Raumschiff'' beim Verlag Neues Leben)
1975: ''Bazillus phantastikus'' (erschienen in der Anthologie ''Der Mann vom Anti'' beim Verlag Das Neue Berlin)
1975: ''Der Mann vom Anti'' (erschienen in der gleichnamigen Anthologie beim Verlag Das Neue Berlin)
Romane
1956: ''Die Unsichtbaren'', Verlag Volk und Welt und Gelbe Reihe
1957: ''Das Schiff der Verlorenen'' (Titanic-Roman)
1958: ''Das Gesicht'' (1962 auch Fernsehspiel)
1960: ''Die große Grenze'', Das Neue Berlin
1963: ''Als die Götter starben'', Das Neue Berlin
1968: ''Nabou'', Das Neue Berlin
„Passiert ist mehr als genug, kann ich Ihnen sagen.“ Der Ingenieur wischte sich die Stirn. Es waren fünfunddreißig Grad Celsius im Schatten. „Zuerst hatten wir von dem verrückten Professor und seinem Treiben nicht viel gespürt. Vor einigen Wochen aber tauchten diese … diese Auto…“
„Autogonen. Es sind Kybernaten erster Ordnung.“
„Meinetwegen. Sie tauchten also in der Nähe der Gruben auf. Überall schnüffelten sie herum. Das passte mir schon nicht. Eines Morgens bemerkte ich, dass uns drei Servoroboter fehlten. In der darauffolgenden Nacht verschwanden fünf. So ging das weiter. Zweihundert Dienstleistungsroboter waren für die Grubenarbeit eingesetzt. Durchweg spezialprogrammierte, ausgezeichnete Automaten. Inzwischen bin ich ganze fünfzig los. Die weitere Produktion ist glatt in Frage gestellt. Man will mir keinen Ersatz mehr liefern.“
„Was ist denn mit diesen fünfzig geschehen? Abgeworben?“
„Die verdammten Biester aus Dementia haben sie verschleppt, wie Krebse geknackt und herausgenommen, was sie gebrauchen konnten. Den Rest ließen sie am Wege liegen.
Ich schickte zu Demens, um ihm tüchtig die Meinung sagen zu lassen. Er solle seine Autogonen gefälligst an die Kandare nehmen, für den Schaden müsse er natürlich einstehen und so weiter. Unsere Leute kamen aber nicht durch. Die Ungeheuer stellten sich ihnen stur in den Weg.
Und die Räuberei ging weiter. Was blieb mir anderes übrig, als zur Selbsthilfe zu greifen. Wir lauerten der Bande auf und beschossen sie kurzerhand aus Neutrinopistolen. Denken Sie, das hatte einen Zweck? Keine Spur! Im Gegenteil, die Kerle wurden aggressiv und wir zogen den Kürzeren. Sie reagieren ja immer schneller als wir.
Seitdem sind wir unseres Lebens nicht mehr sicher. Einen meiner Leute wollten sie wie einen Roboter auseinandernehmen. Schrecklich, sage ich Ihnen! Da heißt es nun, der Schutz jeglichen Lebens sei oberstes Gebot. Und so ein wild gewordenes Monstrum darf sich einfach darüber hinwegsetzen? Ausgeschlossen! Demens ist dafür verantwortlich.“
Der Ingenieur schien Choleriker zu sein. Es war ihm offensichtlich ein Bedürfnis, aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Die Räubereien der Autogonen dagegen konnten nicht bezweifelt werden. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Fall von Fehlprogrammierung.
„Hat Demens auch angesichts dieser Vorfälle nichts von sich hören lassen?“, fragte ich.
„Nicht ein einziges Mal“, versicherte der Ingenieur. „Weiß man, ob er überhaupt noch dort oben ist? Am Ende haben ihn seine eigenen Geschöpfe längst zum Teufel gejagt. Würde mich nicht wundern nach dem, was wir erlebten.“
Ich dachte an das verwüstete Haus auf dem Bergrücken und hatte kein gutes Gefühl. „Wir werden uns um ihn kümmern und dafür sorgen, dass die Autogonen nichts mehr anstiften.“
„Sie wollen wirklich nach Dementia?“
„Selbstverständlich. Es ist mein Auftrag.“
Der Graviplan löste sich vom Boden und nahm nördlichen Kurs.
Meine Absicht war, das Reservat noch einmal zu überfliegen, um den Wohnsitz des Professors ausfindig zu machen. Ich glaubte nicht, dass er in der Ruine hausen würde, und wollte zu ihm stoßen, ohne umherstreifenden Autogonen zu begegnen. Wenn sie sich schon über gewöhnliche Roboter hermachten, war zu vermuten, dass sie sich auch für unseren Graviplan interessierten. Und darauf durfte ich es keinesfalls ankommen lassen.
Ja, ich hegte ernstliche Bedenken, und nicht erst seit dem Gespräch mit dem Ingenieur.
lliphorus Demens war mir gut bekannt. Wir hatten uns mehrmals im Streitgespräch gegenübergestanden. Er besaß drei Doktorhüte und keinen davon honoris causa. Ursprünglich Physiologe, war er später Maschineningenieur geworden und hatte dann noch an der kybernetischen Fakultät studiert.
Zweifellos war er gescheit, aber verschroben und gänzlich in den Ideen befangen, die von den sogenannten Maschinisten vertreten wurden. Die Vorstellung dieser Leute von einer künftigen Welt superintelligenter Roboter war einfach absurd. Sie meinten, der Mensch – nur zeitweilig höchste Form der belebten Materie und selbst biologischer Automat – schicke sich nach unabänderlichem Entwicklungsgesetz an, die Welt der idealen Maschinen zu schaffen, um sodann als Gattung zu verkümmern und unterzugehen. Ein ebenso unsinniger wie gefährlicher Trugschluss, dem ich, wo ich nur konnte, in aller Entschiedenheit entgegentrat. Und vielleicht war es nicht zuletzt meine Gegnerschaft gewesen, die Ili Demens zu seinem abenteuerlichen Vorhaben veranlasst hatte. Eines Tages war er verschwunden gewesen. Niemand wusste zu sagen, wohin. Ich mutmaßte sogleich, der alte Querkopf beabsichtige eine Demonstration für seine Theorie, ohne Rücksicht darauf, ob das uns oder auch ihm selber möglicherweise die größten Scherereien einbringen werde.
Als dann die ersten Gerüchte über seinen Versuch durchgesickert waren, hatte ich dem Forschungsrat empfohlen, sofort einzugreifen. Aber man berief sich auf die Freiheit der Wissenschaft und beschloss abzuwarten. Das ging so lange, bis der Fall zum öffentlichen Ärgernis geworden war.
Der Graviplan schwebte über Dementia dahin. Wir hielten vergeblich Ausschau nach den Autogonen. Auch von Demens entdeckten wir kein Lebenszeichen. Mehrmals flogen wir das Haus auf dem Hügel an. Nichts regte sich dort.
Die Leblosigkeit wirkte bedrückend. Immer wieder verschob ich die Landung. Ich befürchtete, in einen Hinterhalt zu geraten. Hochentwickelte Kybernaten wie diese Autogonen waren durchaus fähig, List anzuwenden, um einen vermeintlichen Feind zu stellen. Unsere Chance, unbehelligt zu bleiben, bestand allein darin, dass Ihre Erfahrungsspeicher noch kein Flugzeug registriert hatten.
Wo Demens nur sein mochte? Sollte er das Versuchsgebiet wirklich verlassen haben? Ich hielt es für unwahrscheinlich. Er war nicht der Mann, der vorzeitig aufgab, was er einmal begonnen hatte.
Wir gingen mit der Maschine noch tiefer hinunter. Die Sonne neigte sich bereits und die Schatten wurden länger. Bis zum Einbruch der Dunkelheit mussten wir Demens gefunden haben. Es schien mir nicht ratsam, die Autogonen durch Scheinwerfer zu beunruhigen oder gar zu reizen.
Ein Felskegel mit steil abfallenden Hängen schob sich unter uns heran. Wir hatten diese Gegend schon mehrmals überflogen. Diesmal jedoch, in geringerer Höhe, entdeckten wir dort einen Menschen, der uns aufgeregt zuwinkte. Seine Kleidung hob sich kaum von der Farbe des Kalkgesteins ah. Es konnte nur Demens sein.
Das Plateau bot genügend Platz für die Landung. Demens wankte uns entgegen. War er auch nie ein stattlicher Mann gewesen, so glich er jetzt einem verhutzelten Greis. Das ausgebleichte, wirre Haar hing ihm ins spitze Gesicht. Die Kleider waren zerrissen, verschmutzt. Unter dem halboffenen Hemd spannte sich die lederbraune Haut über den Rippen. Unverändert war der fanatische Glanz seiner Augen, der sich für einen Moment trübte, als er mich, seinen alten Widersacher, erblickte. Und typisch für ihn war auch, dass er uns nicht etwa voll freudiger Dankbarkeit als Retter begrüßte, wie es in seiner Lage zu erwarten gewesen wäre, sondern triumphierend hervorstieß: „Das Experiment ist gelungen, Human!“
„Es scheint mir auch so", antwortete ich reserviert. „Wo hausen Sie eigentlich?“
Er wies auf eine flache Senke im Fels. Dort hatte er knochenhartes Reisig zu einem Lager geschichtet. Darüber war aus einer Plane und dornigen Stöcken ein Sonnendach errichtet.
„Ja, mein Lieber, es ist so gekommen, wie ich es voraus gesehen hatte“, sagte er. „Ich werde Ihnen den Verlauf des Experiments von Anbeginn schildern. Aber eine Frage zuvor: Haben Sie zufällig etwas Essbares bei sich?“
Ich lud ihn in unsere Kabine ein und tischte ihm auf, was die Bordküche hergab. Er verschlang alles, ohne sich erst der Mühe des Kauens zu unterziehen.

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