Details

Traumläufe im Irrgang


Traumläufe im Irrgang

Ein Lebensroman in Träumen – Traumaufzeichnungen aus fünf Jahrzehnten
1. Auflage

von: Peter Arlt

7,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 15.08.2017
ISBN/EAN: 9783956558320
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 427

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Traumläufe offenbaren im Schlaf teils merkwürdig reale, teils phantastische Bilder, die – nach Sigmund Freud – einen Königsweg zum Unbewussten eröffnen und uns durch berührendes filmisches Geschehen in seelische und körperliche Erregungszustände versetzen. In bildlich verdichteten Miniaturen erweitern sie die innere Biografie überpersönlich und reflektieren Zeitläufte: "Bemerkenswert, wie in den Inhalt der Träume die politische Wende Eingang gefunden hat" (Christa Wolf an Peter Arlt, 1995). Selbstbehauptung und Abwehrkämpfe, zwei Lieben im Zentrum des Wie-Weiter, sind in konfliktgeschüttelten Handlungen lose aneinander gekettet zu einem Lebensroman in Träumen.
Traumläufe offenbaren im Schlaf teils merkwürdig reale, teils phantastische Bilder, die – nach Sigmund Freud – einen Königsweg zum Unbewussten eröffnen und uns durch berührendes filmisches Geschehen in seelische und körperliche Erregungszustände versetzen. In bildlich verdichteten Miniaturen erweitern sie die innere Biografie überpersönlich und ...
Dr. phil. habil. Peter Arlt, geb. 1943 in Halle (Saale), emeritierter Professor für Kunstgeschichte-Kunsttheorie der Universität Erfurt, dort und zuvor an der PH Erfurt von 1974 bis 2009 tätig. Promotion zum Verhältnis von Wort- und Bildzeichensprache, Habilitation zur Antikerezeption in der bildenden Kunst der DDR. Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin e. V. seit 2000, Mitglied im Verband Bildender Künstler seit 1982.
Kurator und Katalogautor für Ausstellungen zur Mythosrezeption, wie „Urteil des Paris“, Gotha 1986, "Mythos und Figur", Gotha 2001, "Daphne. Mythos und Metamorphose", Bremen 2009, "Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR", Weimar 2012/2013. Dazu das Kunstbuch "Die Flucht des Sisyphos. Griechischer Mythos und Kunst - Eine europäische Bildtradition, ihre Aktualität in der DDR und heute", Kunstverlag Gotha 2008.
Autor von Künstlermonografien über Otto Knöpfer, Fritz Keller, Curt Ehrhardt, Ronald Paris, Heinz Scharr und Ulrich Barnickel.
Desweiteren als Lyriker und Schriftsteller Gedichte in der Neuen Deutschen Literatur, in Anthologien;
Gesänge und Rezitationen „Sisyphos und der Stein immerwährender Mühe“, 1978, vertont von Antonius Streichardt und aufgeführt 1979;
„Brief um einen Brief. Jugendgedichte“, 2003;
"Der Hirt und die drei schönen Göttinnen", Kinderbuchverlag Berlin 1982 ff;
Erzählung „Mein Maler ist ein Kauz. Der junge Maler Karl Stauffer-Bern in der Guten Schmiede beim 70-jährigen Gustav Freytag“, Eigenverlag, Gotha 2017.
366
Ein Wissenschaftler aus dem Bekanntenkreis sagt ruhig und fest: „Ich glaube schon, dass es später in der Geschichte eine Erinnerung an den Arbeiter-und-Bauern-Staat DDR geben und dieser nicht vergessen sein wird.“ – In das teilweise widersprechende Grummeln der Gesprächsrunde hinein behaupte ich akzentuiert: „Und die DDR wird als Licht hervorleuchten und nicht als Höllenschlund drohen!“ – „Träume weiter“, entgegnet mir eine Frau. Das erregt meinen Zorn.
10.12.2011
367
Auf dem weichen Grund eines Wattes der Nordsee mit einer Gruppe stehend, beobachte ich mit Entsetzen, dass sich nicht vom offenen Meer, sondern vom Strand, wo wir doch hinmüssen, unaufhörlich die Flut nähert und steigt. Das Absurde der Situation, durch die vom Land ausgehende Flut vom rettenden Ufer abgeschnitten zu sein, bleibt mir unbegreiflich.
20.01.2012
368
Ein Schriftsteller steht auf einer Art Bühne vor einer Landkarte Europas und soll diese entsprechend der geschichtlichen Ereignisse rot einfärben. Zur Zeitbestimmung werden Geräusche eingespielt, welche die wechselnden historischen Verläufe, darunter auch Krieg, anklingen lassen sollen. Es regnet mit schmutzig rotem Aprilwetter gegen die Karte.
26.01.2012 a
369
Nicht in einer Malerei, sondern als Installation demonstriert ein Maler vor einer großen, an die Wand gelehnten Leinwand, mit kleinen verpackten Farbquadern, wie winzig sie sich vor der Malfläche ausnehmen. Vor diese und an sie angelehnt, setzt er mehrere Farbquader übereinander und obenauf einen in Farbe und Form besonderen. Wie probehalber legt er den Farbquader mal mit seiner flachen Seite, mal hochkant auf sie und nennt es: die Farbe des Ikarus.
26.01.2012 b
370
In Moskau hat man eine junge Russin auf dem Kieker, und wegen ihrer politischen und liebesgewerblichen Betätigung in einer Kartei erfasst. Als Signal, dass sie sich bei der Polizei melden muss, erscheint an der Giebelwand einer riesigen Wohnscheibe ihr darauf projiziertes Foto. Sogleich steigt die blonde Frau aus ihrem knallroten Auto, das wie an einem Taxistand oder dem Sammelplatz von Prostituierten geparkt steht, und macht sich auf den Weg, sich zu melden.
20.03.2012 a
371
Meinem Freund, dem Maler Peter Hoppe, wurde das Recht zugesprochen, unkompliziert Bilder zu verkaufen. Für mich überraschend, darf er über zahlreiche große Räume verfügen. Worin sein Privileg im einzelnen besteht, verstehe ich nicht und versuche deshalb mit Nachfragen zu ergründen. Merkwürdig wird die Verkaufsform von ihm mit dem Terminus „Anschaffen“ bezeichnet. Ich sehe mich um und finde in einem geschlossenen Regal mehrere handgroße Plastiken, die ich herausnehme, betrachte und wieder zurückstelle. Peter kommt zu mir, legt seinen linken Arm um meine Schulter und spricht leise: „Ich bin doch Alkoholiker.“
20.03.2012 b
372
Sage das dem Kind, spricht ein alter Mann, dass nur noch wenige Gramm von diesem Bienenhonig da sind, der in einem Pamir-Kloster gewonnen wurde. Dort haben sie Bienen, deren Larven über ein ganzes Jahr heranwachsen zu einer besonders großen und starken Art, die sehr hoch in die Berge zu seltenen Blüten fliegen kann und nur von diesen Gebirgsblumen den Nektar holt. Daraus schleudern die Mönche diesen reinen, kostbar-köstlichen Honig.
21.03.2012
373
Im Verlaufe des Tages gehe ich zu unserem Schlafzimmer, weil ich Tina darin vermute, und öffne die Tür. Da schlägt mir eine unheimliche Wärme entgegen. Die Betten sind weit aufgedeckt. Tina ist nicht zu sehen, aber ihre überdeutliche Botschaft, wieder miteinander zu schlafen.
23.03.2012
374
An dem Nebentisch in der Mensa nehmen mit Schwung und in aufgeräumter Stimmung Barack Obama mit seiner Frau Platz, während ihr Begleiter, den ich kenne, stehenbleibt und sich meinem Tisch zuwendet. Ich erhebe mich, wie auch der Kollege, mit dem ich zusammensitze, und trete an ihn heran, um ihn zu begrüßen. Zur Erklärung wendet der Bekannte sich an Obama und stellt uns vor: „Teachers.“ – Mit dem Ruf „Teachers!“ springt Obama sogleich begeistert auf, als seien wir Nobelpreisträger, und streckt mir lächelnd seine Rechte zu einem festen Händedruck entgegen. Danach begrüßt er meinen Kollegen, während ich seiner Frau die Hand gebe und mich danach, etwas freudig brummelnd, hinter Obamas Begleiter verziehe, weil mir außerordentlich peinlich ist, kein Gespräch auf Englisch führen zu können.
28.03.2012
375
In das Bild Wolfgang Mattheuers „Hinter den sieben Bergen“ blicke ich wie in bildgewordene räumliche Wirklichkeit, wiedererkennbar und verändert. Dort laufen Erwachsene im T-Shirt, auf denen große FDJ- und SED-Initialen angebracht worden sind als Merkmale distanzierender, aber auch identifizierender Kennzeichnung. Dann sehe ich eine Faust mit einer Fackel in der Hand, denke an die URANIA, doch bemerke die Skulptur eines gewaltigen weißen Frauenleibes, an anderer Stelle einen Riesenkopf mit Strahlenkranz. In der landschaftlichen Gegend liegt die Freiheitsstatue, wie in einem sadistischen Akt in Einzelheiten verteilt, oder wie ein Sehnsuchtsmotiv.
19.07.2012
376
An meinem rechten Oberschenkel zeigt sich eine kleine Rundung wie ein Mitesser. Immer größer werdend, stößt aus der Haut ein roter Wurm von Fingerlänge hervor und verlässt den Oberschenkel, der sich hinter seinem Austritt wieder schließt, ähnlich einem Stuhlgang. Krankheit in mir, denke ich, die mich verlässt?
09.12.2013
377
(Bei einem Walzer von Antonín Dvo?ák, der leise aus dem Radio klingt, das ich wachwerdend vor diesem Traum schon angestellt hatte, huscht diese Traumszene vor meine Augen:) Tina, rotgekleidet, bewegt sich tänzerisch zur Melodie und ihren Takten. Wie sie dabei die Arme elfengleich in die Höhe wirft und sich anmutig dreht, sieht staunend und bewundernd ein Enkel, wohl Louis.
21.01.2014
378
An die Frontscheibe des Autos, das ich schnell fahre, klatscht unmittelbar ein Vogel. Aber er flattert nicht weiter, sondern bleibt sofort, den Insekten gleich, als Fleck auf der Scheibe. Doch er verbreitet sich wegen seiner Masse so auf ihr, nimmt mir die Sicht und gefährdet die Weiterfahrt.
03.03.2014
379
Mit einer Kommilitonin und Künstlerin, von der mich politisch vieles trennt und die mir auch sonst fremd geblieben ist, sitze ich Knie an Knie und überlege, wie ich mich ihr nähern könnte. Meine Lust ragte heraus (schon zuvor, bevor der Traum begann). Ohne zu reden, greift sie unvermittelt zu. Bald dringe ich fest und groß in sie ein. Unsere Becken schlagen mit heftigen Stößen aneinander; mein Schlegel bewegt sich umschlossen von der wärmenden Hülle und gemeinsam mit ihr in langer, nicht aufhörender Zeit. Eine Herausforderung steuert mich, uns die Räume wechseln zu lassen und immer kältere Zimmer aufzusuchen, bis wir uns zuletzt in den zu eisiger Kälte gefrorenen Salon wagen wollen. Denn das wäre die Krönung, dort noch lieben zu können.
21.08.2014
Reaktionen auf „Traumläufe im Irrgang“, Fassung von 1994
„Vielen Dank für die Publikationen, habe schon mit viel Interesse gelesen. Da die Traumbeschreibungen (sicher nicht) zufälligerweise den Zeitraum 84-94 behandeln, habe ich mal ein interessantes Projekt für 1995 beigelegt, denn ich denke, da könnten Sie sich vielleicht auch irgendwie einklinken (...)“
Uwe Pfeifer, 27.12.94

„... da überschneiden sich postalisch TraumEntsorgung und TraumBericht. Bitterkeit und Beklemmung, daß eine Weltsicht systematisch ausgetrieben werden soll und wird. (...)
Aber zu Tode getroffen ist keine Utopie. Deine TraumBerichte, deren irreale Handlungen, lassen wohl auch diesen einen Traum aus der Tiefe aufscheinen.“
Ingo Arnold, 31.12.94

„herzlichen Dank für das seltsame Traumtagebuch. Mir gelingt es nie, meine Träume wenigstens bis zum Frühstückskaffee zu merken. Leider - denn ich habe wohl immer nur ulkige Träume...“
Roland Berger, 2.1.95

„Die Träume wollte ich erst nur anlesen und später erst richtig lesen. Doch sie haben mich so gefesselt, daß ich sie in einem Zuge durchgelesen habe.“
Vera Hennig, 5.1.95

„Schönen Dank, lieber Peter Arlt, für die ‘Traumläufe’!
Ich bewundere dabei die Erinnerungsfähigkeit, Ihren Mut und Ihre Offenheit.“
Johann Kirschenmann, 9.1.95

„Vielen Dank für die ‘Traumläufe’! Eine schöne Publikation, zu der ich herzlich gratuliere!(...)
Ein poesievoller Titel und eine originelle Collage auf dem Titelblatt! Knappheit (aphoristische Kürze) als Gestaltungsmittel! Sie bietet die Chance (fordert dazu heraus), den eigenen Phantasiespielraum zu nutzen, die eigene Erlebniswelt der Textwelt ergänzend, vergleichend hinzuzugesellen.“
Lothar Hammer, 13.1.95

„Dank für (...) den tiefen freudschen Einblick in Deine Seelen-Struktur. Du bist ja sehr freigebig mit Deinem Innenleben und es beschleichen mich so einige Gedankensysteme wie ich mich wohl dem nähere, es hat wohl jeder mal einen Schub sich zu outen.“
Peter Hoppe, 17.1.95

„FORUM-Beitrag sehr gut, vor allen Dingen das Traum-Heftchen. Das Lesen dieser knappen Berichte hatte fast was Voyeuristisches, jedenfalls habe ich alles in kurzer Zeit gelesen. Gelegentlich werde ich auch einen Traum schreiben bzw. nacherzählen...“
Jost Heyder, 23.1.95

„Ihre Fähigkeit, sich Ihrer Träume zu erinnern, bestaune ich. Die Vorgänge und Bilder, die mir durch das Unterbewußtsein wandern, verfließen allzu oft, kurz, nachdem ich noch glaubte, sie ganz präsent zu haben.“
Peter H. Feist, 4.2.95

„Ich weiß zu würdigen, daß Sie mir Ihre Träume mitgeteilt haben, ich habe sie alle gelesen, nicht nur den, in dem ,ich’ vorkomme, und ich finde es bemerkenswert, wie in den Inhalt der Träume die politische Wende Eingang gefunden hat ...“
Christa Wolf, 8.2.95

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