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Meine Sekretäre und ich


Meine Sekretäre und ich


1. Auflage

von: Hans Bentzien

9,99 €

Verlag: Edition Digital
Format: PDF
Veröffentl.: 07.10.2016
ISBN/EAN: 9783956554803
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 352

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Hans Bentzien ist auf verschiedene Weise mit den führenden Sekretären der SED auf seinem Lebensweg zusammengetroffen, von einer rührenden Begegnung mit Wilhelm Pieck bis in die jüngste Gegenwart. Sein Schicksal wird von allen Sekretären direkt oder indirekt berührt, sogar bestimmt; und er war selbst Sekretär in voller Funktion.
Der Autor kennt sich also aus und ist befugt, seine Geschichte mit der des Landes zu verknüpfen. Bekanntes wird sachkundig erörtert, Unbekanntes hervorgebracht. Ein Menschenschicksal, Zeitgeschichte, Geschichte und Geschichten.
Vorangestellt sind Geheimdokumente über die Vorgänge um den Film „Geschlossene Gesellschaft", in die der Autor verstrickt war.
Hans Bentzien ist auf verschiedene Weise mit den führenden Sekretären der SED auf seinem Lebensweg zusammengetroffen, von einer rührenden Begegnung mit Wilhelm Pieck bis in die jüngste Gegenwart. Sein Schicksal wird von allen Sekretären direkt oder indirekt berührt, sogar bestimmt; und er war selbst Sekretär in voller Funktion.
Der Autor kennt ...
Originaldokumente zu dem Film "Geschlossene Gesellschaft"
Ende und Anfang
"... und der Zukunft zugewandt ..."
Wolken am ideologischen Himmel
Grundlagen des Sozialismus
Verschärfung der Widersprüche
Der 17. Juni 1953
Der neue Kurs
In Moskau
Der neue Mensch
Am Molkenmarkt
Im Schatten der Mauer
Böiger Wind
Kampf um Anerkennung
Ende der Reformzeit
Sprachlos
Nalepastraße
Berlin-Johannisthal
Adlershof, Rudower Chaussee
Das gute halbe Jahr
Unruhestand
Geboren 1927 in Greifswald. Volksschule, Lehrerausbildung (LBA). Studium zum Dipl.rer.pol. in Jena und Moskau.
Verschiedene kulturpolitische Funktionen. Kulturminister 1961 - 1966.
Verleger. Rundfunk- und Fernsehmitarbeiter (Leitender Redakteur für Geschichtspublikationen). Zuletzt Generalintendant des Deutschen Fernsehfunks.
Autor von Fernsehfilmen, Theaterstücken, Biografien (Elisabeth von Thüringen, Martin Luther, Thomas Müntzer, Friedrich II. von Preußen, Carl August von Hardenberg, Claus Schenk Graf von Stauffenberg) und Sachbüchern zu Fragen der Zeitgeschichte und der Geschichte Brandenburgs. Autobiografie.
Wohnhaft in Bad Saarow. Verheiratet, drei Kinder. Er verstarb am 18. Mai 2015.
Bibliografie (Auswahl):
Wie Robinson kann man nicht leben, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1974
Ein Buch vom Kommunismus. Für junge Leute, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1976
Meister, Meister, zeig uns Arbeit!, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1979
Wohin die Reise geht, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1980
Bruder Martinus, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1983
Jagdzauber und Totemtier, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1984
Festung vor dem Strom, Militärverlag der DDR, Berlin 1986
Im Zeichen des Regenbogens. Aus dem Leben Thomas Müntzers, Der Kinderbuchverlag, Berlin 1989
Elisabeth. Das irdische Leben einer Heiligen. Biografie, Verlag Neues Leben, Berlin 1990
Die Heimkehr der Preußenkönige, Verlag Volk und Welt, Berlin 1991
Unterm Roten und Schwarzen Adler, Verlag Volk und Welt, Berlin 1992
Meine Sekretäre und ich, Verlag Neues Leben, Berlin 1995
Meine Amsel singt in Tamsel, Westkreuz Verlag, Berlin 1996
Damm und Deich – Fruchtbar und reich, Westkreuz Verlag, Berlin 1997
Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Zwischen Soldateneid und Tyrannenmord, Fackelträger-Verlag, Köln 1997
Zauberhaftes Saarow, Westkreuz Verlag, Berlin 1999
Nur in Rheinsberg bin ich glücklich gewesen: Kronprinz Friedrich in Küstrin, Ruppin und Rheinsberg, Westkreuz Verlag, Berlin 2001
Die Irrfahrt der Könige, Westkreuz Verlag, Berlin 2000
Das ungleiche Königspaar, Westkreuz Verlag, Berlin 2001
Ich, Friedrich II, Verlag Volk und Welt, Berlin 1991
Jenseits der Oder, Westkreuz Verlag, Berlin 1998
Überhaupt zeige man Charakter!, Westkreuz Verlag, Berlin 2002
Fragen an die DDR, Edition Ost, Berlin 2003
Was geschah am 17. Juni?, Edition Ost, Berlin 2003
Division Brandenburg, Edition Ost, Berlin 2004
Warum noch über die DDR reden?, Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2009
Seit 1963 saß ich in den Ministerratssitzungen und in der Kommission zur Ausarbeitung des neuen Schulgesetzes neben seiner Nachfolgerin. Margot Honecker, aus einer hallischen antifaschistischen Familie stammend, arbeitete vor allem in FDJ-Funktionen des Kreises und Landes, 1949 wurde sie Vorsitzende des Pionierverbandes und überreichte als jüngstes Mitglied der Volkskammer Wilhelm Pieck einen Blumenstrauß mit dem Gelöbnis der Jugend. Es ist also anzunehmen, dass Erich Honecker sie bereits im Blickfeld hatte, bevor er sie nach der Scheidung von der biederen, ausstrahlungsarmen Edith Baumann heiratete. Sie besaß den Charme einer jungen Frau, hinter dem sie eine gehörige politische Routine versteckte. Eine angestrebte pädagogische Ausbildung an der Humboldt-Universität brach sie ab, der einjährige Schulbesuch an der Komsomolhochschule in Moskau sollte genügen, um sie im Kulturministerium einzusetzen, aber daran scheiterte sie intellektuell, wie sie überhaupt oberflächlich-burschikos unerwartete Probleme behandelte oder abwies.
Nunmehr arbeitete das Ministerium für Volksbildung mit ihrem Amtsantritt an dem neuen Bildungssystem. Die damit verbundenen, die ganze Gesellschaft umfassenden Probleme bearbeitete eine Regierungskommission, die Alexander Abusch leitete. Ein gewisser Vorteil, den die Volksbildung aus ihrem Ministeramt zog, bestand in Gehaltserhöhungen für Lehrer und Erzieher. Sie kannte die internen Fäden und nutzte die Bekanntschaften mit vielen Politikern, die sie vor den Karren der Volksbildung spannte, teils zu deren Vorteil, aber auch zum Nachteil. Zuerst war sie noch darauf bedacht, dass kein äußerer Zusammenhang zwischen ihrer Funktion und ihrem Einfluss als Frau des ersten Mannes der Partei bestand, doch später änderte sich das.
Unerbittlich in ihrem eingeschränkten Schwarz-Weiß-Denken, forderte sie bereits 1975 auf einer Pionierleiterkonferenz, die Jugend den Kommunismus zu lehren. Daraus folgerte sie, wehrpolitische Unterweisungen im Unterricht zu erteilen. Während die meisten Eltern die höheren Ansprüche des polytechnischen Bildungssystems unterstützten, kritisierten sie die Schulen, als dieser Schritt eingeführt wurde. Gerade dieser Punkt war Grund für eine oppositionelle Haltung pazifistisch denkender Staatsbürger und blieb bis zum Schluss ein Zankapfel. Sie musste auf diesem Gebiet einen Rückzug anordnen.
Ihre Ehe mit Honecker verlief offensichtlich nicht durchweg glücklich. In den sechziger Jahren wandte sie sich einem bekannten Schauspieler zu, beide hatten ein Kind miteinander, und nur eine Aussprache im Politbüro, wo auf die Einhaltung der Parteidisziplin und -moral bestanden wurde, hinderte sie, sich scheiden zu lassen. Solche Dinge, wie auch die Verhältnisse Erich Honeckers, gehörten in der DDR nicht in die Öffentlichkeit. Niemand sollte etwas davon erfahren, und wer damit bekannt wurde, behielt es für sich. Es mag aber durchaus damit zusammenhängen, dass sie durch die unglücklich verlaufene Ehe und die zunehmende Unnahbarkeit ihres Mannes die Bestätigung in der strengen, oftmals unfraulichen Durchsetzung ihrer Erkenntnisse fand. Als sie der Witz erreichte, die riesige Baugrube des Palastes der Republik sei angelegt worden, weil vermutet würde, jemand hätte dort unten ihr Diplom versteckt, soll sie blass geworden sein.
Zum Schluss gehörte sie immer noch zur Hardliner-Fraktion, war gefürchtet, aber nicht beliebt. Eigentlich hätte das ähnliche Schicksal einer ihrer Vorgängerinnen, der Frau des Staatssicherheitsministers Zaisser, die auch das Ministerium für Volksbildung drangsalierte, Warnung sein sollen, Frauen von Politikern in führende Stellungen zu bringen, ihnen Orden oder Ehrenpromotionen anzutragen.
Als meine Frau Gisela einmal aufgefordert wurde, ein wichtiges Amt zu übernehmen, lehnte sie mit Hinweis auf ihren Beruf und unsere Kinder ab. Einer müsse doch die Familie zusammenhalten, meinte sie.
Am Ende der DDR hielt Margot Honecker zu ihrem Mann, teilte mit ihm die verschiedenen Fluchtquartiere, war aber - wie er - nicht in der Lage, ein Schuldeingeständnis zu äußern. Sie ging einfach in Rente. Bei ihm wie bei ihr war das eigentlich tragische Element, dass sie auf politische Veränderungen nicht vorbereitet waren.
Im Spätsommer 1965 fuhr eine Partei- und Regierungsdelegation nach Moskau, um ein Wirtschaftsabkommen, das eine noch engere Verflechtung der Volkswirtschaft beider Länder vorsah, zu unterzeichnen. Doch es kam nur eine Vereinbarung über technisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit zustande. Zum ersten Mal war es geschehen, dass Breshnew, der Generalsekretär der KPdSU, seinen Partner aus der DDR nicht empfing. Ulbricht musste sich mit Podgorny, dem formalen Staatsoberhaupt, abfinden. Das bedeutete, die bisherige Linie musste geändert werden. Das wurde auch klar, als Anfang November Breshnew, der Vertreter des Militärkomplexes in der UdSSR, nach Berlin kam, um im Politbüro seine Linie und seine Forderungen darzulegen. Bereits im August hatte Ulbricht informiert, dass die Aufklärung einen bevorstehenden Rollback-Versuch der Mauer gemeldet hätte. Eine große Koalition von CDU und SPD sei dafür in Bonn in Vorbereitung (sie kam dann ein Jahr später zustande). Es sei also, führte Breshnew aus, nicht Dezentralisierung und ökonomischer Wildwuchs auf unterer und mittlerer Ebene notwendig, sondern stärkere Zentralisierung und Zusammenarbeit auf höchster Ebene unter Ausnutzung der wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten der DDR, auch in der Raumfahrtindustrie, das hieß Aufrüstung der Raketensysteme und ihrer Träger. Die DDR wurde zur Rüstungskasse gebeten und musste mitmachen, war sie doch fast vollständig auf die Einfuhr von wichtigen Rohstoffen aus der Sowjetunion abhängig.
Mit dieser Auskunft zog Breshnew wieder gen Moskau, und der sorgfältig gebaute Fünfjahrplan, der am 1. Januar 1966 beginnen sollte, war nur Makulatur. Zwar erhielten Günter Mittag, Sekretär des ZK, und Apel sofort den Auftrag, einen neuen Plan bis zum 11. Plenum am Jahresende vorzulegen, aber das war utopisch. Der Vorsitzende der Plankommission, Apel, erschoss sich in seinem Dienstzimmer, er sah keinen Ausweg mehr. In dieser Situation, die bereits seit September deutlich wurde, nahm Ulbricht einige Vorkommnisse zum Anlass, die Jugendpolitik zu ändern. In Westberlin hatten die Fans der Rolling Stones die Waldbühne demoliert, in Dresden und anderswo die Filmfans des Streifens »Die glorreichen Sieben« eine Freilichtbühne. Dazu kamen einige Schlägereien und ähnliche Vorkommnisse bei Tanzveranstaltungen.
Nun waren die »Gammler« im Visier. Schon immer befürchteten die Oberen, dass von den Beatles und ihren Anhängern eine ideologische Gefahr ausging. Das unfromme Gehabe, die lässige Kleidung, die ungewohnten Töne brachen mit allen Gewohnheiten. Dieser Zug aus dem Westen ergriff mehr oder weniger die Jugend. Waren es anfangs dicke Gummisohlen und Ringelsocken, kamen später die Jeans hinzu, und das yeah, yeah, yeah ärgerte Ulbricht so stark, dass er es krähend mit seiner Fistelstimme nachäffte, um zu zeigen, wie unausstehlich es sei. Als letzter Schrei der Mode waren gerade lange Haare für die Jungen angesagt, passten die denn unter den Stahlhelm? Dieses Zeichen des Protestes, der Entziehung von den braven Modevorschriften des Staatlichen Modeinstituts galt als Beweis für die Auflehnung gegen die Norm, und es wurde demonstriert, dass der Staat solches nicht wünschte. Organisierte junge Männer mit entsprechender Ausbildung griffen die Langhaarigen auf Straßen und Plätzen in verschiedenen Städten und schleppten sie in die Friseurläden.
Im Bezirk Leipzig setzte der 1. Bezirkssekretär der SED, Fröhlich, unter Bruch des Hausfriedens »wütende FDJ« gegen die auf Westempfang installierten Antennen ein, musste aber diese Aktion einstellen, als die ersten Anzeigen bei der Justiz eingingen. Paul Fröhlich war Choleriker und Menschenfeind von Grund auf. Der gelernte Feldkoch hatte auch die Manieren eines Landsknechts, bar jeder Hemmung schrie er verbittert auf Leute ein. Selbst der Oberbürgermeister von Leipzig, Walter Kresse, ein Mann von Charakter, entkam nicht seinen Angriffen, als bekannt wurde, dass ein neues Weinlokal den Namen »Falstaff« erhalten hatte. Auch der Generalintendant des linientreuen Leipziger Theaters, Karl Kayser, Mitglied des ZK der SED, entging wegen eines missliebigen Stückes auf dem Spielplan nicht der öffentlichen Schelte.
Nunmehr wollte Fröhlich mit mir noch eine Rechnung aus dem Vorjahr begleichen. Damals wurde mir von seinem Verantwortlichen in der Kulturverwaltung zur Kenntnis gebracht, dass die Universitätskirche gesprengt werden sollte. Da ich der oberste Denkmalpfleger war, musste sofort gehandelt werden. Ich wies an, er solle sofort an Ort und Stelle gehen und einen Bericht per Fernschreiben durchgeben. Die Vermutung verstärkte sich, Arbeiten eines Sprengkommandos waren nicht zu übersehen. Es war zwar schon Freitagabend, aber ich rief den Innenminister an, der Diensthabende war sein Stellvertreter, General Dickel. Er versprach, sofort einzugreifen, nachdem er festgestellt hatte, dass militärische und polizeiliche Einheiten nicht beteiligt waren. Die Firma für die Sprengung kam vom Bergbau, denn andere verfügten nicht über Sprengmittel. Dickel setzte eine Bereitschaft der Volkspolizei ein, die Kirche wurde geräumt. In der nächsten Politbürositzung am Dienstag wurde als erster Tagesordnungspunkt das Verhalten der Genossen Dickel und Bentzien diskutiert. Ulbricht war bei solchen Anlässen und Konflikten nicht immer anwesend, dafür aber Fröhlich, sein junger Mann in Leipzig, aus seiner Geburtsstadt: Am Karl-Marx-Platz dürfe keine Kirche stehen. Bei der Neubebauung sei sie nicht vorgesehen, also müsse sie weg. Das alles geschah ohne Zustimmung des Stadtparlaments, ohne irgendwelche Öffentlichkeit.

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